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Tics: Agnostic Funk

Stil: Soundcollagen

Cover: Tics: Agnostic Funk

Nein, mit klassischem Funk hat "Agnostic Funk" relativ wenig zu tun. TICS ziehen den Begriff lediglich als Metapher heran, die auf den gesellschaftlichen Sprengstoff hinter dem ursprünglichen Musikstil hinweist. Dieser fungierte teilweise bekanntlich als Soundtrack zu den Freiheitsbestrebungen der afroamerikanischen Bevölkerung Nordamerikas, doch indem die deutsche Gruppe ein "Agnostic" vorschiebt, möchte sie darauf hinweisen, dass Träume von einer besseren Welt in welcher Form auch immer ausgeträumt seien.

Ein verquerer Gedankengang, keine Frage, und das reflektiert auch die Musik auf dem zweiten Album der Kölner, das sich kaum so nennen lässt, weil es nur knapp 17 Minuten dauert. TICS spielen eine Mischung aus 60s Rock, Jingle-Jangle-Pop und dem, was man seit Anfang der 1980er landläufig mit dem Ausdruck "Post Punk" verschlagwortet.

Frühe britische Bands standen definitiv Pate für programmatische Arschwackler wie 'Get Rich', deren schmatzende und perlende Gitarrenlicks dann doch ein bisschen funky wirken. Die überdrehten Vocals und abstrakten Texte tragen dazu bei, dass die Scheibe trotz ihrer Kürze eher anstrengt, als sich quasi vorbehaltlos in die Arme schließen zu lassen.

TICS sträuben sich und zappeln, wenn man ihnen zu nahe tritt, weil man sie lapidar in diese oder jene Schublade stecken möchte. Ihre vordergründig tanzbaren Grooves verhehlen bisweilen, dass ungeheuer viel in den Vignetten ähnelnden Songs geschieht, auch wenn letzten Endes nicht viel von dem Gezockel, Getröte und Gekiekse hängenbleibt.

In dieser Hinsicht sind TICS also zweifelsohne Kinder des No-Wave-Movement, ein grell hässlicher Spiegel der Gesellschaft, dessen Schönheit im Auge des Betrachters bzw. Hörers liegt, durchaus zur Nu-Disco-Mobilmachung taugt.

FAZIT: "Agnostic Funk" stellt den Avant-Punk-Fan trotz seiner Kürze vor Herausforderungen. TICS stellen hiermit acht unfertig und ausschnitthaft anmutende Kompositionen zur Diskussion, die in ihrer Vielschichtigkeit dennoch irgendetwas missen lassen. Ob es am gespreizten Duktus der Band liegt, der einen merkwürdig ironischen Eindruck vermittelt? <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/7e31ce7ca4a348bc92aba0a3d8b18003" width="1" height="1" alt="">

Punkte: 10/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 25.02.2019

Tracklist

  1. Soft Panic
  2. Get Rich
  3. Guerilla
  4. Blessed
  5. The Luck of the Jewish
  6. Vampires
  7. Boring
  8. The Tide

Besetzung

Sonstiges

  • Label

    Tomaten Platten

  • Spieldauer

    17:20

  • Erscheinungsdatum

    01.03.2019

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