Epischer und bombastischer wollen TIDES OF NEBULA neuerdings sein, und hört man „From Voodoo To Zen“, darf man diese Behauptung ruhigen Gewissens abnicken, selbst wenn sie in erster Linie Werbezwecken dient. Labels, die reine Instrumentalmusik promoten müssen, sind ja auch zu bedauern, denn wo kein Sänger klare Aussagen trifft oder zumindest fiktive Geschichten erzählt, müssen das Gehörte und Gesehene (nichtssagendes Artwork mal wieder …) allein herhalten, um das "Produkt" unter die Leute zu bringen.
Auf das fünfte Album der Osteuropäer bezogen wäre es schade, wenn nicht eine größere Zahl von Freunden progressiver (Post-)Klänge hellhörig würden, denn „From Voodoo To Zen“ hat abgesehen von ausgeprägter Individualität alles, was in diesem Bereich erforderlich ist, um das gewogene Publikum in Verzückung zu bringen. Dass sich TIDES FROM NEBULA vorm Songwriting und Produzieren eine Auszeit genehmigten, hat sich spürbar gelohnt.
Obgleich ihre Stücke einmal mehr leichte Überlänge aufweisen, wirken sie um jeglichen Firlefanz entschlackt. So wie etwa 'The New Delta' um ein unterschwellig variiertes Gitarrenmotiv kreist, fasst es die derzeitige Marschroute der Band summarisch zusammen. Die Platte, die sie übrigens erstmals als Trio und obendrein in ihrem eigenen Studio realisierte wirkt auch ohne Vocals außergewöhnlich liedhaft und ist der Szenemasse allein schon deshalb mindestens eine Nasenlänge voraus.
Den endgültigen Quantensprung gewährleisteten letzten Endes die Synthesizer-Parts von Bassist Przemek W?g?owski, die Gitarrist, Keyboarder und Hauptstrippenzieher Maciej Karbowskis Ideen zusätzlichen Glanz verleihen. Der so entstandenen Opulenz widerspricht die meistens introvertiere Atmosphäre nicht, die in etwas mehr als einer Dreiviertelstunde beibehalten wird … ebenso wenig wie die Mehrheitsfähigkeit des Plattmachers 'The New Delta' und des entrückt klimpernden Finales 'Eve White, Eve Black, Jane'.
FAZIT: Mit „From Voodoo To Zen“ schließen TIDES FROM NEBULA endgültig zu Long Distance Calling auf und haben gemeinsam mit den Deutschen Noorvik die bisher stärkste Instrumental-Rock- bis -Metal-Platte 2019 herausgebracht. <img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/c96224945623481bb8e49aa5b73a860b" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 21.09.2019
Long Branch / SPV
46:33
20.09.2019