Noch vor wenigen Jahren war Hollie Fullbrook TINY RUINS – oder umgekehrt. Diese Zeiten sind vorbei, denn inzwischen sind TINY RUINS zu einer fünfköpfigen Band gewachsen. Hollie Fullbrook ist aber ohne Zweifel immer noch Herz und Mittelpunkt der neuseeländischen Combo. Sie hat mit „Olympic Girls“ eben ihr drittes Album veröffentlicht.
Dieses dürfte eingefleischte Fans zumindest leicht verunsichern, denn während Fullbrook auf ihren früheren Werken im kleinen Rahmen und aufs Wesentlichste – lies Gitarre und Stimme – beschränkt musizierte, wird auf „Olympic Girls“ die Stimme der Songwriterin nun zwar unaufdringlich, aber doch dicht und verspielt begleitet und getragen. Wohl zum Verdruss der einen und zur Freude der anderen.
Hollie Fullbrook hat sämtliche elf Songs des Albums selber geschrieben. Bereits im ersten Stück, es ist der Titelsong des Albums (und ein richtiges Kleinod!), offenbart sich der Charakter von „Olympic Girls“: Hier findet sich Unkonventionelles und weniger Eingängiges, Musik, die mit Sicherheit nicht für den Mainstream zurechtgebogen wurde. Dementsprechend erschließt sich dieses Album kaum beim ersten Durchlauf. Wer sich für TINY RUINS „Olympic Girls“ Zeit nimmt, wird jedoch belohnt.
Neben dem erwähnten, musikalisch reichen und textlich interessanten Opener („You’ll never find a thing, if you can’t lose yourself“) gefallen das mittels wabbernder Sounds und viel Hall psychedelisch angehauchte „Cold Enough To Climb“ sowie das vergleichsweise hemdsärmelig begleitete „How Much“ besonders.
Im letztgenannten Song fragt Hollie Fullbrook: „How much would you be willing to give? How much do you take from all of this? How much before you are strung out?“ Es sind Fragen – wenn natürlich in ganz anderem Zusammenhang gestellt – mit denen sich auch die Hörerschaft konfrontiert sieht. TINY RUINS gewähren mit „Olympic Girls“ zwar leichteren Zugang zu ihrer Musik als auf den ersten zwei Alben; ohne Bereitschaft, sich näher auf Musik und Text einzulassen, bleibt einem aber die Erkenntnis verwehrt, das winzige Ruinen durchaus faszinieren können.
FAZIT: Das dritte Album von TINY RUINS ist offener, greifbarer als seine Vorgänger. Mainstream ist es deshalb längst nicht und gewährt erst nach mehrmaligem Hören Zugang zu musikalischen und textlichen Feinheiten.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 09.02.2019
Cass Basil
Hollie Fullbrook
Tom Healy
Finn Scholes
Alex Freer
Hollie Fullbrook (Gitarre, Cello, Mellotron), Cass Basil (Mellotron), Tom Healy (Moog, Synthesizer, Mellotron)
Milk! Records
43:26
01.02.2019