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Tool: Fear Inoculum

Stil: Progressive Metal

Cover: Tool: Fear Inoculum

Donnerstag, 29.08.2019, 19:57 Uhr. Ich höre die ersten Klänge von „Fear Inoculum“, dem ersten TOOL-Album seit fast 13 Jahren. Wenn man mir am 04.12.2006 gesagt hätte, ich müsste ab jetzt eine schier unendliche Zeit warten, bis ich das nächste Album dieser Überband in den Händen halten werde, wäre ich an diesem Tag zumindest sehr skeptisch gewesen. Am Vorabend dieses besagten Tages spielten TOOL ein Konzert in der König-Pilsener-Arena zu Oberhausen im Rahmen ihrer 10,000 Days-Tour (Vorband: MASTODON). Ich war an diesem besagten Tag noch sehr geflasht von den Dingen, die ich den Abend davor zu sehen und vor allem hören bekam. Ich war mir dessen durchaus bewusst, eines meiner relevantesten und prägendsten Konzerte ever gesehen zu haben. Dass daraufhin so ein Durststrecke in Bezug auf Releases wie auch Gigs folgen würde, war da definitiv noch nicht abzusehen.

Nüchtern betrachtet hätten TOOL kein neues Album mehr herausbringen brauchen. Ihr fast schon mystischer Status in der Musikbranche ist zementiert, ihre Anhängerschaft mehr als treu ergeben, ihre Alben „Ænima“ und „Lateralus“ sind wahre Monolithe und spielen unbestritten in ihrer eigenen Liga, sehr dicht gefolgt von ihrem sehr beeindruckendem Debüt „Undertow“ und eben jenem „10,000 Days“, dem bislang letzten Album der Band.

Dennoch haben sie nach den ganzen unnötigen Rechtsstreitigkeiten, lt. Aussage der Band angezettelt von einer ihrer Versicherungen, die wahrscheinlich auch die Hauptursache für diese selbst für TOOL ungewöhnlich lange Verzögerung war, sich wieder auf das konzentriert, was sie ausmacht: Das Musizieren. Und somit ist am Ende doch noch ein weiteres TOOL-Album entstanden.

Zugegeben, der vorab gestreamte Titeltrack des Albums hat mich nach zweimaligem Anhören noch nicht wirklich abgeholt. Jetzt aber, es ist mittlerweile 20:03 Uhr, über eine richtige Anlage und Kopfhörer abgespielt, klingt das ganze doch schon ein wenig amtlicher. Die vernommenen Klänge, das werden sich TOOL wahrscheinlich jetzt anhören dürfen und auch gefallen lassen müssen, klingen nach, genau, TOOL. Punkt. Tiefe Bassläufe, komplexe, vertrackte Rhythmen, druckvolle Drums gepaart mit Tabla-Klängen, heavy Gitarrenriffs, ein ausgefeiltes Wechselspiel aus leisen wie lauten Parts, lange, ausschweifende, manchmal sogar meditative Passagen, sowie zumeist melancholischer, in Teilen aber auch wütender Gesang begleiten einen durch das Album. Das ist die Rezeptur, die TOOL ausmacht.

21:16 Uhr. Der erste Durchlauf ist vorbei. Ich kann mir ein zufriedenes Grinsen nicht verkneifen. „Fear Inoculum“ ist mit seinen sieben Tracks, von denen sechs die 10 Minuten überschreiten, zu keiner Zeit langweilig. Es fehlen vielleicht an der ein oder anderen Stelle die großen Überraschungsmomente (große Ausnahme: „Chocolate Chip Trip“). Aber dennoch ist es genau der einzigartige Sound, der einen über die gesamten fast 80 Minuten im Bann hält.

Erwähnenswert ist zudem auch die physische Aufmachung des Albums. Beim Aufklappen der CD-Box leuchtet automatisch ein 4“ HD-Screen auf, über den TOOL-übliche visuelle Umsetzungen ihrer Musik dargeboten werden, untermalt von bedrohlichen Sounds, die aus einem kleinen Lautsprecher schallen. Für die Spielergemeinde: Man fühlt sich hier ein wenig an Myst und Riven erinnert. Die CD ist in einem Pappschuber im rechten Seitenfach untergebracht, in dem linken befindet sich ein sehr wertiges 36-seitiges Booklet. Zudem gibt es einen Downloadcode, über den man das Album inklusive drei Bonustracks herunterladen kann.

Die Aufmachung ist ohne Frage ein Highlight. Dennoch hätte ich es mir gewünscht, aus mehreren Tonträgervarianten auswählen zu können. Die LP-Variante, angeblich bestehend aus einer 5 LP-Box, soll lt. diverser Medien erst im Dezember erscheinen. Eine CD im normalen Jewelcase und eine 2 LP-Version mit Preisen zwischen 15 und 35 Euro wären faire Alternativen gewesen. So wurde man gezwungen, die je nach Anbieter veranschlagten 70 – 85 Euro zu zahlen, wenn man eine physische Variante des Albums besitzen wollte. Und zu solch antiquierten Personen gehöre ich nun mal.

FAZIT: TOOL waren, sind und bleiben TOOL. Auch nach 13 Jahren wissen sie immer noch zu beeindrucken. Wer ihre Alben schon immer gemocht hat, kommt um „Fear Inoculum“ nicht herum (und wird es sich sowieso selber bestellt haben). Wer allerdings gehofft hat, sie hätten mit diesem Album vielleicht sogar gänzlich neue Wege beschritten, wird sehr wahrscheinlich enttäuscht werden. Gleiches gilt für diejenigen, die schon mit „10,000 Days“ nicht mehr so viel anfangen konnten. „Fear Inoculum“ ist erneut ein komplexes, forderndes, sehr schwer zu durchdringendes und damit am Ende wunderschönes Album geworden. „Ænima“ und „Lateralus“ sind und bleiben allerdings bis auf weiteres ihre Referenzwerke.

(Timo Schakau)

Punkte: 13/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 29.08.2019

Tracklist

  1. Fear Inoculum
  2. Pneuma
  3. Invincible
  4. Descending
  5. Culling Voices
  6. Chocolate Chip Trip
  7. 7empest
  8. Litanie contre la Peur (exklusiver Bonustrack per Download)
  9. Legion Inoculant (exklusiver Bonustrack per Download)
  10. Mockingbeat (exklusiver Bonustrack per Download)

Besetzung

  • Bass

    Justin Chancellor

  • Gesang

    Maynard James Keenan

  • Gitarre

    Adam Jones

  • Schlagzeug

    Danny Carey

Sonstiges

  • Label

    Sony Music

  • Spieldauer

    79:11

  • Erscheinungsdatum

    30.08.2019

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