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Tourette Boys: Zorn

Stil: Psychedelic Rock

Cover: Tourette Boys: Zorn

Mit ihrem dritten Album, das nach zwei früheren Longplayern und einer Split-EP mit den Berlinern Gaffa Ghandi erscheint, verfahren TOURETTE BOYS weiter wie bisher, ohne sich zu wiederholen. In diesem Sinne markiert "Zorn" eine Art Konsolidierung, statt dass die Band alles auf eine Karte setzen würde, um auf irgendeinen Durchbruch hoffen zu dürfen, den man ja bekanntlich in Business-Kreisen in Aussicht stellt, wenn jemand zum Plattenhattrick ansetzt.

Die Dresdner schuften aber ohnehin so weit abseits des Mainstreams vor sich hin, dass sie sich vermutlich noch nie um kommerzielle Erfolge geschert hat, und hört man ihr neues Werk, kann man nur froh darüber sein. Einmal mehr hat das Trio eine sehr live anmutende Scheibe zusammengestellt, die in ihrer Kürze ein erstaunlich breites stilistisches Spektrum abdeckt.

Der Titel des einleitenden 'Psychedelic Summoning' macht der gespielten Musik alle Ehre, denn TOURETTE BOYS scheinen hier die Geister der frühen Pink Floyd heraufzubeschwören und mit der alten Tante Blues verkuppeln zu wollen, in deren Garage sie seit je musizieren. Nach dieser längeren, behäbigen Einberufung hat 'Colossus' etwas irgendwie Zwitterhaftes - poppige Leichtigkeit einer- und kratzige Post-Rock-Schwere andererseits, aber der Knoten der Ungewissheit platzt in 'Heister' endlich.

Hierbei handelt es sich um einen waschechten (und echt verwaschen klingenden) Space Rocker, wie ihn Hawkwind in ihren goldenen Jahren nicht besser hinbekommen hätten, bevor 'Evil' nach einer in der Stoner-Wüste verirrten Shoegaze-Kapelle klingt. 'Weekend Fuzz' ist danach das zweitlängste Stück von "Zorn"; darin wandert Jim Morrison sieben Minuten lang durch den heißen Sand … und spielt da jemand Slide-Gitarre?

Es ist wieder jene famose Gratwanderung zwischen beschlagener Blues-Musikalität und bloßen Soundkulissen, die dieses Album auszeichnet und von kaum jemandem so versiert beherrscht wird wie von TOURETTE BOYS. Das ausufernde Finale 'Wandern', mit dem die Gruppe Jims Odyssee scheinbar weiter verlängern, unterstreicht diese Einschätzung noch einmal ganz deutlich.

FAZIT: Psychedelic Rock vom Urigsten und Verschrobensten, der sich jedoch weniger in nebelhaften als sehr klar konturierten, wenn auch mäandernden Songs niederschlägt - TOURETTE BOYS sind und bleiben der beste Beweis dafür, dass Kiffen beim Komponieren nicht schaden muss. <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/7070559c2e6f483790def39a7ef65740" width="1" height="1" alt="">

Punkte: 10/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 03.05.2019

Tracklist

  1. Psychedelic Summoning
  2. Colossus
  3. Heister
  4. Evil
  5. Weekend Escape
  6. Fuzz
  7. Wandern

Besetzung

  • Bass

    Paul Kollascheck

  • Gesang

    Benjamin Butter

  • Gitarre

    Paul Willy Stoyan, Benjamin Butter

  • Schlagzeug

    Conrad Brod

Sonstiges

  • Label

    Eigenvertrieb

  • Spieldauer

    41:05

  • Erscheinungsdatum

    10.05.2019

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