Es bleibt dabei, TOXIC HOLOCAUST sind unabhängig von ihrem Live-Unterhaltungswert eine überschätzte Band, vor allem angesichts ihres gewaltigen Ausstoßes im Laufe von jetzt immerhin schon 20 Jahren. Innerhalb ihrer Diskografie nimmt "Primal Future: 2019" zwar einen gehobenen Stellenwert ein, was die Qualität der enthaltenen Tracks angeht, aber Strippenzieher Joel Grind lernt nach wie vor dazu, statt dass man ihn als unfehlbaren Thrash-Heilsbringer hochjubeln müsste.
Das hat auch sein Gutes, denn ausgelaugt ist der Kerl trotz seiner schon langen Karriere noch nicht, und das hat keineswegs damit zu tun, dass er seine Mitmusiker ständig auswechselt. Schließlich entstand auch sein aktuelles Werk kompromisslos im Alleingang, wobei der Amerikaner aus der Künstlerhochburg Portland im Staate Oregon einmal mehr produktionstechnische Eigenregie führte und gleichsam traditionsgemäß sämtliche Instrumente selbst übernahm.
Seit ein paar Jahren bekommt Grind auch ordentliche Gitarrenleads und -Solos auf die Reihe, was die flotten und diesmal teilweise etwas längeren Tracks umso kurzweiliger macht und liebevoller denn je in Szene gesetzt wirken lässt. Am geilsten klingen TOXIC HOLOCAUST immer noch dann, wenn sich der Einzelkämpfer weniger vom frühen US-Hardcore der Marke Black Flag oder britischen Ausformungen wie Discharge oder Amebix beeinflussen lässt als dem Metal seiner Heimat den Vorrang zu geben.
Mit einer markanteren Stimme vorgetragen könnte das finster tuckernde Uptempo-Stück 'New World Beyond' etwa von den frühen Megadeth stammen, wohingegen der Rauswerfer 'Cybernetic War' sogar epische Qualitäten aufweist. Typische Crossover-Eruptionen wie 'Deafened By The Roar' und dröge Motörhead-Verbeugungen ('Iron Cage') hat man hingegen schon zu oft von diesem und anderen Projekten gehört.
FAZIT: Mit "Primal Future: 2019" reichen TOXIC HOLOCAUST ein weiteres Punk-Thrash-Album mit vertrauter Endzeit-Ästhetik ein, auf dem nicht alles Gold ist, was glänzt. Eine wesentliche Evolution fand im Vorfeld nicht statt, und der Lack blättert ungeachtet der überdrehten "Mad Max"- bzw. Sci-Fi-Bildersprache rasch ab, weil von den zehn Songs nicht einmal eine Handvoll durchweg fesselt. Joel Grind lernt indessen weiter, wie man anstelle bloßer Stilübungen wirklich zeitlose Songs schreibt - vielleicht auch mal mit Außenstehenden zusammen? <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/39fa4f82f07b426290df1f7df50b7aaa" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.10.2019
eOne / SPV
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04.10.2019