Das kam unerwartet … TWISTED TOWER DIRE hatte man nach mehreren Umbesetzungen - nicht nur infolge des Todes ihres zu jenem Zeitpunkt bereits ausgestiegenen Sängers Tony Taylor bei einem Verkehrsunfall, dem 2011 noch das Album "Make It Dark" mit Jonny Aune am Mikrofon folgte - wahrlich nicht mehr auf dem Schirm, doch nach acht Jahren, in denen die Gruppe aus Washington D.C. nur sporadisch live auftrat, legt sie einen weiteren Langspieler vor … und ist in Form wie ehedem.
Die Epic Metaller, die allein schon wegen ihrer zwei Veröffentlichugen über Solstice-Richs Label The Miskatonic Foundation ("The Curse of Twisted Tower" und "The Isle of Hydra") einen festen Platz im Herzen jedes Szenegängers innehalten, komponierten im Lauf der Jahre stetig neue Stücke, und das Beste davon dürfte für "Wars In The Unknown" ausgesiebt worden sein, denn Füllsel enthält die Scheibe praktisch nicht. Die Tracks sind allesamt angenehm kompakt ausgefallen, sowohl der zum Schunkeln einladende Ausreißer 'And the Sharks Came Then' (alte Running Wild gehört, Männer?) als auch der stilechte Galopp 'Tear You Apart' oder Uptempo-Nummern wie 'True North' und 'Light The Swords On Fire', zu deren kämpferischem Duktus die regelmäßig eingestreuten Chor-Shouts besonders gut passen.
Was aber wäre heldenhafter Edelstahl zudem ohne jene wehmütige Note, die allen Vertretern dieser Zunft gemein zu sein scheint? Die Gruppe um Rädelsführer und Gitarrist Scott Waldrop bildet dahingehend keine Ausnahme ('A Howl In The Wind'). Bezieht man die jederzeit quirlige Bassarbeit im Hintergrund und das zweckmäßige, aber swingende Schlagzeugspiel von Marc Stauffer zusammen mit den vielen griffigen Melodien mit ein, ist das neuste Werk der alten Hasen ihr bestes seit ihrer vierten LP "Netherworlds" (2007), dem Zenit ihres Schaffens, wenn man die Dichte an potenziellen Genre-Hits als Maßstab heranzieht.
Wahre Gassenhauer fehlen nämlich in letzter Konsequenz, doch trotzdem (und weil unsere letzte Begegnung mit ihnen so lange her ist) …
FAZIT: … gehören TWISTED TOWER DIRE zum Geilsten, was die Vereinigten Staaten an echtem Heavy Metal zu bieten hatten - und nun wieder zu bieten haben. <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/ce76017847ef48c1bf38f6439560bbe4" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 10.03.2019
No Remorse / Soulfood
41:09
15.03.2019