Die Freunde der ANDREAS DIEHLMANN BAND wissen inzwischen, dass der Herbst neben farbigen Blättern beinahe ebenso zuverlässig ein neues Werk des Trios aus Kassel bringt. „Mercy On Me“ heißt das neue Album, und es führt eindrücklich vor Ohren, dass epidemiologisch bedingte Bühnen-Zwangspausen im Studio erfreulich sinnvoll ausgefüllt werden können.
Im Vergleich mit dem letztjährigen Album „Point Of No Return“ <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2019/Andreas-Diehlmann-Band/Point-Of-No-Return/" target="_blank" rel="nofollow">dem letztjährigen Album „Point Of No Return“</a> sind allerdings einige Änderungen zu vermerken: An Stelle von VOLKER ZELLER spielt neu JÖRG SEBALD den Bass, zum ersten Mal überhaupt verzichtet ANDREAS DIEHLMANN gänzlich auf Fremdkompositionen, und klanglich setzt das Trio diesmal auf etwas erdigere und ruppigere Töne.
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So sorgt bereits „Price To Pay“ mit stampfendem Schlagwerk und heulender Gitarre für einen recht brachialen Auftakt – es ist die düstere Vertonung der Aussicht auf die Tore zur Hölle und die drohende Abrechnung für falsche Entscheidungen in der Vergangenheit. Dieser Ritt durch die Unterwelt findet mit dem riffbetonten „Evil Ways“ seine unerbittliche Fortsetzung.
„Leave Me Alone“ erzählt, musikalisch in ZZ-Top-Manier, die Geschichte einer eher rabiaten Trennung, „Black Moon“ marschiert dann schweren Schrittes geradewegs in Richtung drohender Apokalypse, und erst „Come On Over“ führt darauf in etwas konventionellere Southern Rock-Fahrwasser – auch textlich: „I know what I want and what I want is you. I got to have you by my side, can you feel it too?“
„Got To Get Over It“ ist, in der Form eines gemächlich ausschreitenden Blues, eine eindringliche Selbstbeschwörung: Raus aus dem Sumpf, Schluss mit dem Selbstmitleid, „Gotta try to go my way, try to work myself out, out of that grime!“ – auch wenn’s dann gleich darauf im Song „You Got No Clue“, respektive im zwischenmenschlichen Bereich, wieder nicht so recht gelingen will, weil nämlich die Angebetete trotz Absingen einer ganzen Liste von guten Gründen kein Einsehen haben will. Dem Zuhörer allerdings macht dieses AC/DC-Versatzstück von A bis Z Spaß…
… was sich von „Shadows Of Memories“ nicht behaupten lässt. Dieser Song ist der schwächste des Albums, simpel gestrickt, repetitiv gebaut und demzufolge mit beinahe acht Minuten viel zu lang – spätestens nach halber Laufzeit denkt man an einen anhänglichen Hund, der nicht weichen will.
Was soll’s, das Titelstück schließlich marschiert zum Abschluss im Midtempo und mit der Bitte um Gnade dann ja wieder hübsch geradeaus, Rhythmus-Abteilung, Gitarre und Orgel finden in bester Harmonie zusammen.
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FAZIT: Der Sound des vierten Studio-Albums der ANDREAS DIEHLMANN BAND wirkt naturbelassener als seine Vorgänger, rauer, direkter und weniger nachbehandelt. Wie man das gewichtet, ist reine Geschmackssache. Jedenfalls hat das Kasseler Trio im Bereich des urwüchsigen Bluesrocks mit „Mercy On Me“ erneut ein dickes Ausrufezeichen gesetzt.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 14.10.2020
Jörg Sebald
Andreas Diehlmann
Andreas Diehlmann
Andreas Diehlmann
Tom Bonn
Mountain Meadow Studio
44:50
01.10.2020