Dass man geschlagene zehn Jahre lang nichts von ANTHENORA hörte, ist insofern merkwürdig, als die Band ihre Besetzung bis auf 2018 den ausgewechselten Bassisten halten konnte, und wir sprechen hier von einer Gruppe, die immerhin schon seit 1989 existiert, wobei drei Mitglieder von Anfang an dabei waren.
Nun ja, mit klassischem Heavy Metal verdient kaum jemand seinen Lebensunterhalt, und ebensolche Musik spielten bzw. spielen die Italiener von jeher. Der Vorgänger "The Ghosts Of Iwo Jima" war ausgesprochen stark, krankte aber daran, 2010 eine Platte unter vielen gewesen zu sein, denn ANTHENORA zeichnen sich nicht durch stilistische Besonderheiten oder andere Gimmicks aus. Die Band besteht vielmehr einfach aus sehr guten Komponisten mit gar nicht einmal so offensichtlichen Einflüssen.
"Mirrors and Screens" bietet einmal mehr bisweilen rockigen Heavy Metal, der aus anderen europäischen Töpfen schöpft, aber mitunter auch Anhängern der nordamerikanischen Variante gefallen dürfte. Der schwungvolle Einstieg 'Tiresias' und das ebenfalls kraftvolle Midtempo-Ding demonstrieren die generell positive Art der Gruppe, die gleichwohl sehr weit vom Happy-Metal-Einerlei so einiger ihrer Landsleute entfernt.
Frontmann Luigi "Gigi" Bonanseas Stimme erinnert mitunter stark an den älteren Paul Di'Anno oder Blaze Bayley, doch dass ANTHENORA als Iron-Maiden-Tribut-Act anfingen und deren Schlagzeuger Nicko McBrain sogar auf einer Drum-Clinic-Tour als Begleitband halfen, schlägt sich gar nicht so plakativ in ihrem Sound nieder.
Das getragene 'Alive' erinnert beispielsweise mit seinem hypnotischen Bass-Strophenpuls vielmehr an Dio, wohingegen man 'Low Hero' mit seinen Uptempo-Parts inmitten eines muskulös stampfenden Arrangements mit neueren Accept vergleichen könnte. In letzter Konsequenz mangelt es "Mirrors And Screens" trotz ausnahmslos guter Stücke an zwei, drei Ohrwürmern.
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Die Produktion klingt dafür warm satt und gibt den vielen Details Raum, auf welche die Komponisten anscheinend größeren Wert legen. Bestes Beispiel dafür: Der verspielte Abgang 'War & Peace', dem die dröge Ballade 'Bully Lover' als Tiefpunkt gegenübersteht.
FAZIT: ANTHENORAs viertes Album ist eine gute Metal-Rock-Platte, die sich durch die starke Performance des Sängers der Band und wenig mehr hervortut. Solide, unspektakulär und auch ohne zwingenden Charakter völlig in Ordnung. <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/ab58b736cd47471583133c9241ab37cf" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 30.11.2020
Samuele "Peyo" Peirano
Luigi "Gigi" Bonansea
Stefano "Pooma" Pomero, Gabriele "Gabri" Bruni
Fabio "Smaro" Smareglia
Punishment 18
57:22
27.11.2020