"Persistence of Time" erscheint 2020 am gleichen Tag wieder wie ursprünglich vor 30 Jahren. ANTHRAX fünfter Longplayer kam kurz vor ihrem zehnjährigen Jubiläum zu einer Zeit heraus, als Thrash Metal stark im Wandel begriffen war. Allerorts wurde immer mehr Todesblei gegossen, und Metallica überführten den Stil auf ihrem selbst betitelten Album endgültig in den Mainstream. Die New Yorker hingegen standen aufgrund von Scott Ians zermürbendem Scheidungsprozess und diversen anderen kleinen Schicksalsschlägen an einem Scheideweg und machten das Beste daraus.
Das Material wurde unter Schlagzeuger Charlie Benantes Ägide von Band-Kenner Paul Logus remastert und mit bisher nicht anderswo erhältlich gewesenem Bonusmaterial versehen. Der Drummer durchstöberte dazu sein Archiv aus Proberaum-Aufnahmen, Ideen-Kassetten, Demos und Konzertmitschnitten. Die Scheibe erlangte in den USA Goldstatus und gilt unter vielen Fans als Schaffenszenit der Genre-Vorreiter.
Das ausnahmsweise mal nicht unnötigerweise überarbeitete Artwork stellt uns den letztlich nicht verwendeten Originalentwurf vor. Enthalten sind zudem die B-Seite der Single "I'm The Man" sowie eine Live-Performance von 'Time' von 1991 aus dem Eventzentrum Palace in Auburn Hills im US-Bundesstaat Michigan. Eine zusätzliche DVD enthält Schnipsel aus der Peripherie des Geschehens auf einer Tour, mit der die Gruppe das Album als Einheizer für niemand Geringeren als Iron Maiden bewarb. Alternativ gibt es das Ganze auch als Vierfach-LP.
Und das Album selbst? Viele Fans erachten es als ANTHRAX' frühen Zenit, und in Hinblick auf die vielen Hits, die sich im Lauf der Jahre in ihren Setlists gehalten haben, kann man nur zustimmen, zumal die Band vermutlich zum ersten Mal einen bis dahin von ihr ungewohnten textlichen Tiefgang an den Tag legten. Rassismus und persönliche Beziehungen stehen inhaltlich im Vordergrund, wobei insbesondere das im Midtempo rollende 'Keep It In The Family' und 'Time' hervorstechen, letzteres auch als Schlüsselsong für die Leitmotive der Platte: Vergänglichkeit und unsere Wahrnehmung von Zeit.
'Gridlock' und das abschließende 'Discharge' befriedigen die alte (Speed-)Schule; Joe Jacksons 'Got The Time' avancierte zu einem Indie-Hit und wo ANTHRAX' Weggefährten während jener Monate proggige Superlative anstrebten (höre Forbiddens "Twisted Into Form", Megadeths "Rust In Peace) oder zwischenzeitlich in der Bedeutungslosigkeit versackten (Exodus, …) sind die New Yorker sich selbst just dadurch treu geblieben, dass sie den ersten richtig "runden" Gemischtsalatteller in ihrer Karriere angerichtet haben.
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Viele weitere sollten folgen.
FAZIT: ANTHRAX' "Persistence of Time" ist nicht nur ein Bandklassiker, sondern auch ein für die Differenzierung des (amerikanischen Thrash) Metal enorm wichtiges Werk, das ihr nun in seiner wohl ultimativen Version bekommt. <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/350e0f0f2ca149d89f0876d21b6e7cbd" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 13.08.2020
Megaforce / Bertus
117:37
21.08.2020