Mit seiner Mischung aus schmutzigem Soul, Outlaw-Country, spirituellen Anklängen aus der Gospel-Ecke und - Achtung - tatsächlich auch Punk (die Haltung, nicht unbedingt der Rock-Rotz …) ist Arlo McKinley ein für gängige Americana-Verhältnisse einzigartiger Musiker und geht auf "Die Midwestern" dennoch in uneingeschränktem Umfang mit der Szene konform.
Der Protegé von Altmeister John Prine, auf dessen Label die Platte auch erscheint, hat seine aktuellen Kompositionen im geschichtsträchtigen Sam Phillips Recording Service Studio in Memphis in Tennessee unter Grammy-Gewinner Matt Ross-Spang produziert, wobei in der städtischen Szene bekannte Instrumentalisten mitwirkten. Dass die zwei Handvoll Lieder genau den richtigen Ton unter Eingeweihten treffen, dürfte also klar sein.
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Das Debüt des bärtigen Mannes ist wohlgemerkt keine laute Angelegenheit. Alles kreist um McKinleys Stimme, die von einem gebrochenen, verlebten Menschen zeugt, was überhaupt nicht wie eine Masche anmutet, wenn man seinen Texten aufmerksam folgt. Er trägt sein Herz sozusagen auf der Zunge und lässt so tief blicken, dass man angesichts seiner Offenheit bisweilen erschrickt.
Die Klavier-Elegie 'We Were Alright' setzt zu Anfang den atmosphärischen Grundton fest, das beschwingte 'She's Always Around' kommt einem Wechselbad der Gefühle gleich, wenn man sich den lebendigen Groove sowie den Text über Arlos Abhängigkeit von einer stützenden Frau vor Augen hält, und wenn er sich wie in 'Once Again' fast nur mit der Akustikgitarre selbst begleitet, während er eine bittersüße Beichte ablegt, kann es durchaus sein, dass hier oder eine Träne kullert …
Die erste Single 'Walking Shoes' wirkte bereits wie ein Paukenschlag und steht ausgerechnet am Ende der Trackliste: Bei den ersten Zeilen "I don't wanna get high anymore, I don't wanna fight anymore" ist akuter Gänsehaut-Alarm angesagt!
FAZIT: "Die Midwestern" ist ein abwechselnd zynisches und hoffnungsvolles Stück Americana mit einer Menge Dreck unter den Fingernägeln und bestätigt Arlo McKinleys Status. Wenn dieser Kerl nicht in Zukunft aktiv aufs Szenegeschehen einwirken wird, läuft irgendetwas falsch. <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/7739f265c6694e1d84b4f3694ac85bf3" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 05.08.2020
Oh Boy-Thirty Tigers / Membran
41:40
14.08.2020