Bei "Stolen Angelic Tongues" handelt es sich um eine Mini-LP, die AUROCH nach knapp vierjähriger Funkstille in dieser Form tatsächlich nur auf Vinyl veröffentlichen, wohingegen die CD-Version "All The Names Of Night" heißt und den fünf enthaltenen Tracks drei zusätzlich voranstellt. Anhand dieses Materials - die beiden Stücke der "Seven Veils"-EP sowie der Beitrag der Gruppe zu einer Split-Single mit Mitochondrion - lässt sich ihre Entwicklung bis heute nachvollziehen.
Die Band aus Vancouver an der kanadischen Westküste, zu der Originalsänger Culain zurückgekehrt ist, beruft sich spürbar auf die finstersten Auswüchse der Szene an der US-amerikanischen Ostküste (allen Acts voran vermutlich Immolation und Incantation), während es stetig zwischen kreatürlicher Barbarei und mittels eines wohl bewusst verwaschenen Sounds kaschierter Technik pendelt. Der Gesamteindruck, den "Stolen Angelic Tongues" hinterlässt, ist deshalb primitiver als in Wirklichkeit.
Der Wahnsinn hat folglich Methode, wie man endgültig daran erkennt, dass das Quintett um Gitarrist und Hauptkomponist Sebastian Montesi mühelos mit hintersinnigen Melodien jongliert, ohne sie dem Hörer aufzuzwingen. Das mit sechseinhalb Minuten längste Stück 'Carving The Axis Mundi', das auf der CD wohl nicht umsonst mittig platziert steht, fasst mit epischer Anmutung zusammen, worum es bei AUROCH von jeher geht.
Den okkulten Überbau, der aktuell Aspekte der Spiritualität südamerikanischer und karibischer Urvölker umfasst, darf man sich je nach persönlicher Neigung wegdenken, um eine saftige, erst auf den zweiten Blick raffiniert eingefädelte Abreibung von AUROCH zu bekommen.
FAZIT: Oft rasanter, manchmal doomiger und immer fies finsterer Death Metal in denkbar kürzester Form - "Stolen Angelic Tongues" bzw. "All The Names Of Night" geht für AUROCH selbst als Standortbestimmung durch und bietet sich Unbedarften als Möglichkeit zu einer ersten Auseinandersetzung mit der in mehrfacher Hinsicht eigensinnigen Band an. <img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/93b9ab231ecf4f6596953f97c3b4723d" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 21.04.2020
20 Buck Spin / Soulfood
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24.04.2020