"Evil Upheaval", der Vorgänger von "Grand Malevolence", gilt als jüngerer Klassiker der australischen Extrem-Metal-Szene, was im übergeordneten stählernen Weltgeschehen nicht viel heißen muss. Nichtsdestoweniger bestätigen DEPRAVITY mit ihrem zweiten Longplayer, dass sie auf ihrem Feld international mehr als konkurrenzfähig sind.
Ohnehin klingt die Musik der Gruppe nicht unbedingt direkt nach "down under". Sie zeigt sich stattdessen im Besonderen von amerikanischem Brutalo-Stoff und den eher technischen Ausformung der Stilistik beeinflusst, wobei sie kompositorisch wie klanglich zweifellos der neuen Schule angehört. Schließlich fallen die meisten Tracks von "Grand Malevolence" ins Beuteschema der Generation Aufmerksamkeitsstörung, denn im Rahmen von durchschnittlich fünf Minuten geschieht stets so viel, dass man sich vom Hundertsten ins Tausendste mitgerissen sieht.
Und mitreißend sind einige Nummer durchaus, allen voran vielleicht das zum Propeller-Bangen provozierende Titelstück, bei dem DEPRAVITY zwischen zahlreichen Rhytmuswechseln und Sweeping-Solos nicht vergessen haben, dass das Ganze auch halbwegs gut ins Ohr gehen sollte. 'Trophies of Inhumanity' besticht hingegen durch Gedächtnis-Keyboards im Geist der frühen Nocturnus und Suffocation-artige stumpfem wie effektivem Gehämmer, während die kurze Barbarei 'Barbaric Eternity' als "Hit" der Platte und Anspieltipp fungiert.
Ansonsten leidet die Band aus Mitgliedern von u.a. Impiety, und mehreren völlig unbekannten Underground-Kapellen an den für Todesblei üblichen "Vergiftungen": Die Musik ist leidlich eigenständig, fett bis zur Undynamik produziert und bei aller Komplexität nicht sonderlich tiefschürfend.
FAZIT: Szene-Hardlinern kann egal sein, dass DEPRAVITY nichts Originelles an sich haben, sondern erfreuen sich im Fall von "Grand Malevolence" an einem technischen Death-Metal-Album auf gehobenem Niveau. Handwerk top, Kompositionen ausbaufähig … <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/b192723fe3ee4adbb5340af3f6d31b34" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.12.2020
Ainsley Watkins
Jamie Kay
Lynton Cessford, Jarrod Curly
Louis Rando
Transcending Obscurity
49:13
04.12.2020