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Deztroyer: Climate Change 30th Anniversary Edition

Stil: Thrash Metal

Cover: Deztroyer: Climate Change 30th Anniversary Edition

Tech Thrash … eine überkommene Stil-Bezeichnung? Fest steht, dass sich dieses kleine Juwel aus dem tiefsten deutschen Untergrund prima gehalten hat und - Prog-Verächter aufgepasst - zu den eher gemäßigten Frickel-Platten gehört. DEZTROYERs überschaubare Gesamtwerk wird dieser Tage auf breiter Ebene hörbar gemacht und wird zweifellos viele Freunde finden, falls Liebhaber von Toxik, Realm oder frühen Sieges Even und Secrecy - um im Inland zu bleiben - die Band bisher überhaupt auf dem Schirm hatten.

Die Hessen brachten ihre erste und gleichzeitig letzte LP im Herbst 1990 heraus. Da es sich um eine Pressung des Minilabels D&S Recording von Drummer und Produzent Michael Jesch (u.a. Flaming Anger und die kultigen Prog-Querdenker Sore Plexus) handelte, sind Originalexemplare heute extrem rar … doch wodurch rechtfertigt sich die nun vorliegende Wiederveröffentlichung von "Climate Change" eigentlich genau?

Das ursprünglich elf Tracks umfassende Album geht rhythmisch mitunter relativ komplex ins Ohr, tut es aber definitiv. Sänger Pete Kulps zerdehnte Melodien dürften zwar nicht jedermanns Sache sein (denkt zum Vergleich an die Dresch-Phase von Manilla Road, Mark Sheltons Stimme eignete sich auch nicht unbedingt für diese Gangart), aber die Musik der 1985 gegründete Combo ist definitiv mehrheitsfähig, zumal sie vielleicht besser ins aktuelle, grundsätzlich derbere Klima der Szene passt. In gleicher Weise, wie Extremisten etwa Holy Terror schätzen gelernt haben, könnten sie nämlich auch DEZTROYER liebgewinnen.

Die anfangs als Destroyer agierenden Musiker ballern schließlich ziemlich kompromisslos, und vielleicht war ihr Ofen auch deshalb 1991 wieder aus.

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Die Gruppe selbst veröffentlichte das Album 2000 als CD-R mit drei Bonustracks, die nun mit weiteren Dreingaben auch auf diesem Release enthalten sind. Wie bei den historischen Aufbereitungen vor allem von High Roller Records gewohnt hat Patrick Engel wieder einen ordentlichen Job gemacht, was Remix und Remastering betrifft; aufgrund der verschiedenen Quellen des Materials auf der zweiten CD sind naturgemäß klangliche Unterschiede auszumachen, doch die Bonustracks knallen im Grunde ausnahmslos amtlich und sind auch insofern wertvoll, als man zum Analytischen neigt und die doppelten vertretenen Stücke jeweils miteinander vergleichen möchte.

Zu den hervorstechenden Tracks aus dem in deutschen Delta-Studios (Accept und - jawohl - Lou Reed) produzierten Fundus: 'T.E.O.A.R.' ist mit Klavier-Intro eine der direkt ins Ohr gehenden Hymnen auf dem Album, dessen fast durchgehend treibender Charakter bei aller Vertracktheit einen feinen Flow gewährleistet. Akustik-Breaks oder Einleitungen '(W.R.A.) Torture' kommen der Dynamik ebenso zugute wie Slap-Bass-Einlagen.

Drummer Jens löste 2014 übrigens Drummer Neudi (u.a. Manilla Road, Economist) von Golden Core hinter den Kesseln von Masters Of Disguise ab. Nicht nur der musikalische Gehalt, sondern auch die Ausstattung der Doppel-CD mit 20-seitigem Booklet, in dem sozusagen das letzte Wort zu DEZTROYER gesprochen wird, bestätigt einmal mehr, dass Golden Core zu den führenden Labels für Neuauflagen von Nischenmusik im besten Sinne sind!

FAZIT: Die Plattenfirma buhlt bei dieser Wiederaufbereitung mit allen Demos, die DEZTROYER jemals aufgenommen haben, um die Gunst geschichts- wie qualitätsbewusster Szenegänger, aber "Climate Change" - der Titel spricht für die Gegenwartsrelevanz der Texte - muss nicht durch die Nostalgiebrille betrachtet werden, damit man erkennt, wie zeitgemäß die Musik darauf immer noch klingt. <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/452c5edcdf244ce5bfd9460233ac87ed" width="1" height="1" alt="">

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 13.12.2020

Tracklist

  1. Climate Change
  2. Ain´t No Cure
  3. Intolerate
  4. Solitude
  5. T.E.O.A.R
  6. Can´t Complain
  7. I´m Watchin´
  8. We Fight
  9. (W..R.A.) Torture
  10. Warchild
  11. Souvenirs
  12. Heaven´s Gate
  13. Outwit The Maze
  14. I Hate War
  15. Warchild 89
  16. We Fight
  17. (W.R.A.) Torture
  18. Deceiver
  19. Live In Fear
  20. 4th
  21. Heaven´s Gate
  22. Big Surprize
  23. Warchild
  24. No Reincarnation
  25. Drink & Foget
  26. Built To Destroy
  27. Perverted
  28. Drink & Forget 2
  29. 11-87
  30. Death Is Sure
  31. Thrasher´s Diary
  32. Speed Madness
  33. Till The End
  34. Roman And The Wolf
  35. Intro
  36. Night Of Hate
  37. Outwit The Maze
  38. Homicidal World
  39. I Hate War
  40. Thrash Till Madness

Besetzung

  • Bass

    Christoph "Stripe" Schinzel

  • Gesang

    Pete Kulp

  • Gitarre

    Uwe Becker

  • Schlagzeug

    Jens Gellner

Sonstiges

  • Label

    Golden Core / Zyx

  • Spieldauer

    131:51

  • Erscheinungsdatum

    04.12.2020

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