Eine an sich abstruse Idee: Die vielleicht langlebigsten Vertreter der New Wave of British Heavy Metal, die den großen Sprung nie schafften, können eigentlich nur verlieren, indem sie ihren Debüt-Klassiker noch einmal komplett neu aufnehmen - knapp 40 Jahre nach der Erstveröffentlichung und in einer anderen Besetzung, bei der nicht zuletzt ihr aktueller, junger Sänger das Zünglein an der Waage sein dürfte.
Letzten Endes tun DIAMOND HEAD weder sich selbst noch ihren Fans mit der 2020er-Fassung von "Lightning To The Nations" eine Schande, auch wenn sich ihr Sinn übers Jubiläum hinaus nicht wirklich erschließt. Den Vorschlag zu diesem Projekt machte Drummer Karl Wilcox, und Frontmann Rasmus Bom Andersen, der auch die noch aktuelle letzte Studioproduktion „The Coffin Train“ betreute, setzte die unverrückbaren Klassiker klanglich zeitgemäß in Szene.
Über Nummern wie 'The Prince', 'It's Electric' und natürlich das durch Metallica berühmt gewordene 'Am Ai Evil?' längere Essays zu schreiben entspräche dem metaphorischen Eulen-Tragen nach Athen; die Gruppe hielt sich eng an die Originale, bloß dass 'Sucking My Love' ein wenig "eingedampft" und im Gegensatz zur Originalfassung zum Schluss nicht ausgeblendet wurde.
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Der Bonusteil beläuft sich auf vier nur bedingt überraschende Coversongs von Led Zeppelin, Judas Priest, Metallica ("Rache" ist süß?) und insbesondere Deep Purple: Deren 'Rat Bat Blue' sticht zwischen einer okayen Interpretation des 'Immigrant Song', von 'Sinner' (solide) und 'No Remorse' (nur so-lala) deutlich hervor, denn in gleichem Maße, wie „Who Do We Think We Are?“ kein Konsens-Album von Ian Gillan und Co. darstellt, gehört diese darauf enthaltene Nummer obendrein zu den gern übersehenen in ihrem Repertoire. DIAMOND HEAD haben ihr einen schmissig metallischen Dreh verliehen, der sie zu einem starken Argument für den Kauf dieser ordentlich aufgewärmten Kraftsuppe macht.
FAZIT: Man mag von neu aufgenommenen Schlüsselwerken einer Band halten, was man möchte, doch mit diesem Update von "Lightning To The Nations" machen DIAMOND HEAD überhaupt nichts falsch, und falls die Briten damit nachgewachsene Generationen auf die Wurzeln des heutigen Metal aufmerksam macht: umso besser. <img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/0a304d1b1a244d74aa2c4869947cecb8" width="1" height="1" alt="">
Erschienen auf www.musikreviews.de am 13.11.2020
Dean Ashton
Rasmus Bom Andersen
Brian Tatler, Rasmus Bom Andersen, Andrew "Abbz" Abberley
Dean Ashton
Karl Wilcox
Silver Lining / Warner
63:21
20.11.2020