Muss man bei einer Band, die jugendlich im Rahmen eines popkulturellen Booms (nennen wir ihn mal "Viva-TV-Mucke") im deutschsprachigen Raum während der 1990er begann, heute "erwachsen" nennen, bloß weil sie durchgehalten hat bzw. nach zwischenzeitlicher Auszeit vielleicht stärker denn je aufspielt?
Auf DIE HAPPY trifft diese Einschätzung zu, wobei es in jedem Fall albern ist, gesondert darauf hinzuweisen, dass die MusikerInnen naturgemäßer älter, also üblicherweise auch reifer geworden sind. "Guess What" ist nach sechs Jahren ohne Studioarbeiten nun eines der zwingendsten Alben der Gruppe und knüpft wenn auch weniger in puncto Attitüde, so aber qualitätsmäßig an den 2001er Kracher "Supersonic Speed" an.
Die Band ist mit der Zeit ruhiger geworden, zumindest in Teilen. Das melancholische 'Letter To A Friend' zum Schluss würde inklusive Streicher-Schmelz jeder AOR-Band aus den 1980ern zur Zierde gereichen - genauso wie das ähnlich ausgerichtete 'Love Suicide', wohingegen der tonnenschwere Groover 'Kiss Me' und das treibende 'No Tomorrow' das kraftvoll kämpferische, lebensfrohe andere Ende des Stimmungs- und Stil-Spektrums von "Guess What" abdecken.
Ansonsten überraschen DIE HAPPY in 'Here I Am' und 'Give Me A Break' mit luftig flirrenden Post-Rock-Gitarren und sehnsüchtigem Refrain, ehe sie gegen Ende - Marta Jandovás kernige Stimme bleibt selbst in der zarten Ballade 'Story Of My Life' wie ehedem der bissige Hauptposten der Gruppe -noch einmal aufdrehen … Höre 'Die My Baby' und das nicht minder "breitbeinige"'Trippin''.
FAZIT: "Guess What" ist so zeitlos, wie es DIE HAPPY wahrscheinlich niemand zugetraut hätte, der zu ihrer Anfangszeit moserte, sie seien eine zu spät gekommene 90er-Crossover-Eintagsfliege - 2020 ist das durch enge Freundschaft verbundene Quartett sowohl super aufeinander eingespielt als auch eine Songwriting-Kapazität, von der sich nicht nur national jede in den Charts stattfinden wollende Rockband etwas abschneiden darf. <img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/cd8222720fe649c6984a3bac31e0ca7b" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 09.04.2020
Bullet
37:55
10.04.2020