Auf dieser Dreifach-CD würdigen GoldenCore die 1980er-Kultband GRIFFIN aus den Vereinigten Staaten. Sie enthält im Grunde alles, was die Band je offiziell aufgenommen hat, und zahlreiche Zubrote, die den Kauf für Historiker wie alle, die auf zeitlose Edelstahl-Qualität Wert legen, unerlässlich machen.
GRIFFIN spielten typischen US-amerikanischen Metal, der seine Entstehungszeit widerspiegelte - vorwiegend flott, etwas vertrackter als ihre europäischen Pendants und tendenziell aggressiver. Sie brachten es auf lediglich zwei LPs, die es allerdings in sich hatten und haben.
Das relativ geradlinige Debüt „Flight Of The Griffin“ (1984, Shrapnel Records) gilt seit je als Favorit von Kennern und setzte insbesondere Sänger William McKay perfekt in Szene, eine ungefähre Mischung aus Kai Hansen (das charmant schwachbrüstige Falsett, halb gekreischt ) und Sleaze-Rocker. Mit seinem bissigen Vortrag machte er rockige Uptempo-Nummern ('Submission'), das dramatisch hämmernde 'Judgement Day' sowie Geschosse 'Hell Runneth Over' und 'Hawk The Slayer' (mit pfiffigen Tempowechseln, die beim Bangen akute Genickbruchgefahr verursachen) zu absolut abriebfesten Standards, die auch heute noch jeder Genre-Freund kennen sollte.
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Das epische dahinschreitende Titelstück deutet der kompositorischen Raffinesse voraus, die GRIFFIN auf dem Nachfolger hervorheben sollten - womit wir eben dort angelangt wären: "Protectors Of The Lair" (1986, Steamhammer/SPV) ist zugleich auch der Clou dieses Rundum-glücklich Pakets, denn mit ihrem Zweitling enttäuschte Die Gruppe seinerzeit ein wenig, weil der Sound arg kratzig und dünn war, wohingegen die ruppigere, quasi thrashige Kurskorrektur vermutlich nur wenige Fans des Einstands verprellt hat … doch nun erstrahlt das Material endlich im bestmöglichen Soundgewand.
Die originalen 24-Spur-Bänder wurden erst kürzlich aufbereitet neu abgemischt (von Patrick Engel mal wieder im Temple Of Disharmony) und remastert. Der ebenfalls enthaltene Original-Mix bietet die Möglichkeit zum direkten Vergleich. Was die Chose endgültig abrundet, sind neben rohen, aber dennoch hörenswerte Demos von 'Creeper' oder 'Name Of The Dance' Konzertmitschnitte, die bis dato allenfalls Bootlegger gekannt haben dürften. Das Booklet mit ebenfalls zuvor nicht auf breiter Ebene verfügbaren Fotos, einem aktuellen Interview mit dem Frontmann sowie zusätzlichen Infos setzt dem Ganzen die Krone auf.
FAZIT: In puncto der beiden US-Metal-Albumklassiker von GRIFFIN ist mit diesem Set wirklich alles gesagt - danke, GoldenCore! <img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/4c884369fbe7419fb72b9ace29939a99" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 03.09.2020
GoldenCore / Zyx
208:17
21.08.2020