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The Dustman Dilemma: Third Sigh

Stil: Fusion, Jazz-Rock, RIO, Avant-Prog

Cover: The Dustman Dilemma: Third Sigh

DUSTMAN DILEMMA sind wohl eine der spannendsten Musikentdeckungen aus Frankreich – zumindest für all diejenigen, die progressive Freigeister sind, Fusionäres aus RIO, Jazz- und Avantgarde-Rock lieben und außerdem auf seltsam finster-verschachtelte Texte stehen, die mit dunkler Stimme und bedrohlichem Timbre vorgetragen werden. Und auch wenn es das französische Trio mit kräftiger Unterstützung von Gastmusikern an Blasinstrumenten und elektronischen Klangerzeugern sowie klassischem Piano und Gitarren es in acht Jahren gerade mal auf drei Alben gebracht hat, so sind sie tatsächlich für alle Prog- und Jazz-Rock-Freunde ein absoluter Geheimtipp, der eigentlich bei der Qualität dieser Band längst kein Geheimtipp mehr sein dürfte.

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Seit <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2018/The-Dustman-Dilemma/First-Trip-To-The-Roaring-Plains/" target="_blank" rel="nofollow">ihrem ersten Album</a> verzichten die sich einem Dilemma aussetzenden Musik-Müllmänner aus der Normandie zwar auf das „The“ in ihrem Bandnamen, dafür aber wird ihr avantgardistisch-experimenteller und trotzdem immer wieder durchaus stimmiger, psychedelisch verspielter Prog-Jazz-Rock farbenfroher. Auch wenn das Farbspiel die dunklen Töne bevorzugt, bei denen Saxophone und Klarinetten gegeneinander antreten und Flöten die Schiedsrichter spielen, während überall Synthies für elektronische Klangfarben sorgen oder Gitarren expressiv ihre Bretter raushauen, genauso wie die Stimmen im Stile von GONG die kleinen Gruselgeschichten vortragen.

Das alles darf dann gerne auch mal sehr sphärisch oder krautrockig oder freistilistisch klingen und beim Hörer an den Nerven zerren wie ein guter Horrorfilm, der einen mit seiner gnadenlosen Spannung in den Bann zieht. Ständig wechselt die Dynamik und wie kleine Fabelwesen tauchen die unterschiedlichsten Klänge und Instrumente auf.

DUSTMAN DILEMMA offenbaren auch auf ihrem dritten Album „Third Sigh“ ein Gespür zwischen kammermusikalischem Prog, jazziger Avantgarde, RIO der Extraklasse, zappaesker Verspieltheit und einem deutlichen Hang zur dunklen Seite unserer Seele, die sie auch noch mit dunklen Geisterstimmen besingen: „Delirium, junky punk / Pick an axe and chop the tree...“

Die Axt liegt bereit! Nur am Ende gibt’s keinen musikalischen Dreck zu hören, sondern eine echte Glanzleistung von DUSTMAN DILEMMA, deren einziges Dilemma darin besteht, dass sie noch immer ein musikalisches Schattendasein fristen, obwohl sie sich eigentlich ein kleines Plätzchen im Prog-Olymp verdient hätten. Wer hier nicht reinhört ist selber schuld und nicht neugierig.

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FAZIT: Avantgardistische Meisterleistung, welche die spannendsten progressiven Musikstile in sich vereint und garantiert keinerlei Müll erzeugt. „Third Sigh“ von DUSTMAN DILEMMA aus Frankreich ist verdammt ansteckend und hochexplosiv – zumindest für alle, die sich ihre Ohren gerne mal von all dem musikalischen Alltagsmüll freiblasen lassen wollen.

Punkte: 13/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 29.11.2020

Tracklist

  1. Third Sigh
  2. The Bunk
  3. The Pack
  4. Passenmeche
  5. The Grip
  6. The Hook
  7. The Blacklight
  8. Swamped
  9. So & Then

Besetzung

  • Bass

    Virgile Delesculier, Maxime Métais

  • Gesang

    Nicolas Tritschler, Andjelka Zivkovic

  • Gitarre

    Maxime Métais

  • Keys

    Pierre Blin, Samuel Frin, Andjelka Zivkovic

  • Schlagzeug

    Nicolas Tritschler, Pierre Blin

  • Sonstiges

    Samuel Frin (Saxophone, Karinetten, Flöten, Tuba, Posaune), Nicolas Tritschler (Akkordeon), Samuel Belhomme (Trompete), Manuel Decocq (Violine)

Sonstiges

  • Label

    L'étourneur

  • Spieldauer

    40:18

  • Erscheinungsdatum

    07.10.2020

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