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The Flower Kings: Islands

Stil: Progressive Rock

Cover: The Flower Kings: Islands

Man muss es noch einmal sagen: Roine Stolt ist eines der wenigen wirklichen musikalischen Genies der Neuzeit, die an Frank Zappa kratzen könnten. Der Schwede ist zwar nicht so wagemutig wie die verstorbene Legende, hat aber einen vergleichbar bunten und vor allem umfangreichen musikalischen Output, der höchsten Ansprüchen genügt. Darüber, dass kaum zwölf Monate nach dem letzten Album von THE FLOWER KINGS “Waiting For Miracles” ein Doppeldecker fällig ist, braucht man sich deshalb kaum zu wundern.

"Islands" verblüfft allerdings insofern, als es satte 21 Tracks enthält und dementsprechend sehr Lied-orientiert im klassischen Sinn ausgefallen ist. Wie angedeutet lassen sich der Bandkopf und seine international verstreut lebenden Zuarbeiter selten auf Experimente ein, sondern zocken ihren wie gewohnt einfallsreich gestalteten Progressive Rock traditioneller bzw. retrospektiver Art locker herunter.

Dabei stößt man auf elegante Leisetreter wie das Yes-artige 'Black Swan', das in seiner Vertracktheit mit den frühen Gentle Giant (minus Satzgesang) vergleichbare 'Broken' oder gar "funky stuff" wie 'Tangerine' inklusive Roboter-Vocals. 'Solaris' ist mit neuneinhalb Minuten die eine "handelsübliche" Genre-Nummer - komplett mit bedächtigem Aufbau und Hinführung zu einem halb sinfonischen, aber nicht unbedingt laut aufbrausenden Finale -, auf die sich wohl die ganze Szene einigen kann.

Dass nach dem Seventies-Fusion-Jazzer 'Racing With Blinders', der vielleicht nicht umsonst bereits wegen seines Titels an Al Di Meolas 'Race With The Devil On Spanish Highway' von 1977 erinnert, und dem unverfroren poppigen Ohrwurm 'All I Need Is Love' keine der beiden CDs bzw. Doppel-LPs etwas wirklich Verdutzendes in Sachen THE FLOWER KINGS zu Tage fördert, ist ein kleiner Makel, über den sich gewiss jeder Fan hinwegtrösten kann.

Am Ende halten sich Umfang und Qualität wieder einmal die Waage; Roine Stolt enttäuscht schlicht und ergreifend niemals. Neben dem angesprochenen Opener der zweiten Hälfte empfehlen wir zum Anchecken dieses Mammutwerks das hibbelig kompakte 'Serpentine' und den schreitenden Rocker 'Fool's Gold'. Darüber hinaus könnte man ein dickes Buch damit füllen, gründlich über die Einzelheiten auf "Islands" einzugehen.

FAZIT: THE FLOWER KINGS, da weiß man, was man hat - eingepackt in einer wie die Faust aufs Auge passendes Cover von Roger Dean hat die Band ein weiteres Geschenk für die Prog-Basis geschnürt, das bei aller Vertrautheit unberechenbar genug bleibt, um nicht als bloße Pflichterfüllung abgetan zu werden. <img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/27735faaf58c439bbd213494634adb9f" width="1" height="1" alt="">

Punkte: 11/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 23.10.2020

Tracklist

  1. Racing With Blinders
  2. From The Ground
  3. Black Swan
  4. Morning News
  5. Broken
  6. Goodbye Outrage
  7. Journeyman
  8. Tangerine
  9. Solaris
  10. Heart Of The Valley
  11. Man In A Two Peace Suit
  12. All I Need Is Love
  13. A New Species
  14. Northern Lights
  15. Hidden Angles
  16. Serpentine
  17. Looking For Answers
  18. Telescope
  19. Fool’s Gold
  20. Between Hope & Fear
  21. Islands

Besetzung

  • Bass

    Jonas Reingold

  • Gesang

    Roine Stolt, Hasse Fröberg

  • Gitarre

    Roine Stolt, Hasse Fröberg

  • Keys

    Zach Kamins

  • Schlagzeug

    Mirko DeMaio

Sonstiges

  • Label

    Inside Out / Sony

  • Spieldauer

    95:57

  • Erscheinungsdatum

    30.10.2020

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