Aufwühlend und im gegenwärtigen Musikbetrieb in allen Belangen ohnegleichen: THE GOOD ONES sind drei Bauern und Überlebende des Völkermords in Ruanda, die selbst geschriebene Lieder in der Tradition ihres Landes darbieten. "Rwanda, You Should Be Loved" wurde auf ihrem Hof mitgeschnitten und ist allen Tragödien zum Trotz praktisch vertonte Aufbruchsstimmung mit einem dezidierten Ja zum Menschsein.
Die meisten Stücke auf dem bereits dritten Album des Projekts stammen von Gitarrist und Sänger Adrien Kazigira, je eines geht auf die Konten der beiden Perkussionisten Javan Mahoro ('Life Is Hard') und Janvier Havugimana ('Young People Are the Future'), die ihnen zudem ebenfalls ihre Stimmen leihen. Die poetischen Texte des Trios handeln logischerweise von eher betrüblichen Erlebnissen (etwa Toden Nahestehender und Hungersnot), lesen sich aber dennoch im Großen und Ganzen so erhebend, wie die Musik klingt.
Warum sich ausgerechnet Anti um eine Veröffentlichung dieses intimen World-Music-Highlights widmet, wird anhand der künstlerischen Gehilfen der Afrikaner klar: Abgesehen von Corin Tucker von Sleater-Kinney beteiligten sich nämlich u.a. Joe Lally ('My Wife is as Beautiful as a Sunset'), Nels Cline ('Where Did You Go Wrong, My Love') und Kevin Shields ('A Long, Sad Journey Watching You Die') am Gelingen des Unterfangens.
Mit Punk hat das Ganze natürlich nichts zu tun, auch wenn es nicht mehr "DIY" sein könnte. Man muss die Klänge, die den ohne Strom oder fließendes Wasser lebenden Protagonisten von der Hand gehen und aus dem Mund kommen, allerdings einfach selbst gehört haben, um einen letztgültigen Eindruck von dieser Perle von einem Album zu gewinnen.
FAZIT: "Rwanda, You Should Be Loved" ist absolut einzigartig und lässt den Begriff "Weltmusik" klischiert trivial erscheinen, gleicht einer Klangoase zur inneren Einkehr und verdient alle Aufmerksamkeit, die THE GOOD ONES dank Unterstützung aus der sogenannten Ersten Welt erhalten können. <img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/5ef5068caee24a2c9c7faf28ee360b69" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 17.01.2020
Anti
39:21
22.11.2019