Ob THE SEARCH nach diesem zweiten Teil eines retrospektiv ausgerichteten inhaltlichen Konzepts wohl eine Trilogie abschließen werden? Angesichts der langsamen Entwicklung der Gruppe steht eher auszuschließen, dass sie noch ein drittes Mal mit ihrem Vintage-Indie-New-Wave-Gebräu durchkommen wird, denn schon "Someplace Far Away" ist im Grunde nur ein Wiederkäuen dessen, was man vor zwei Jahren auf “A Wave from the Sidelines” geboten bekam.
Razmig Tekeyan, der dem Projekt mittlerweile als Alleinherrscher vorsteht, täte gut daran, sich Impulse von außen zu holen, denn mit den neuen Kompositionen von THE SEARCH schmort er sprichwörtlich in seinem eigenen Saft. "Someplace Away" ist eine Zitathölle voller massenkompatibler Melodien, die Wehmut ausstrahlen, monotoner Grooves und tendenziell kalter Klangfarben wenn man von dem charakteristisch sonoren Post-Punk-Basssound absieht, der den Großteil des Materials prägt.
Und wer wird nun zitiert? Na, die üblichen Verdächtigen, angefangen bei Sisters Of Mercy über Joy Division bis zu Talk Talk - die allesamt nicht die schlechtesten Vorbilder sind, doch das ständige Gefühl, Tekeyan hätte den Blaupausen nichts weiter hinzuzufügen, führt dazu, dass man THE SEARCH endgültig als Derivat oder bloße Tribut-Kapelle ansieht.
Blendet man die nicht vorhandene Originalität aus und erfreut sich schlicht an traditionellem Genre-Songwriting mitsamt der zugehörigen Ästhetik, die sich um Weltflucht, urbane Verlorenheit und Selbstvergessen (vielleicht in einer Underground-Disco?) rankt, kann man zumindest eine kleine Weile Spaß an "Someplace Far Away" haben.
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Langfristig wird man gleichwohl doch wieder zu den Pionieren greifen. THE SEARCH bleiben unterdessen …
FAZIT: … ein reiner Nostalgie-Act für totale Wave-Fanatiker, deren Zeit nach 1985 stehengeblieben ist. <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/eed7ebb3fb7746ab82686f001b72896c" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 07.07.2020
Anemos
42:45
06.03.2020