Der Stellenwert von THE TEXAS GENTLEMEN lässt sich auch daran messen, dass der Branchenriese Hasbro dem neuen Album der Band ein gleichnamiges Brettspiel widmet. Dies ergibt insofern Sinn, als es sich bei ihrem jüngsten Langspieler um ein in sich geschlossenes Gesamtwerk im ganz klassischen Sinn handelt, sowohl inhaltlich als auch stilistisch.
Kurzer "recap": Zunächst wollten die GENTLEMEN nur als Backing-Band auftreten und begleiteten u.a. Nikki Lane und Leon Bridges. 2016 unterstützten sie dann Kris Kristofferson bei seinem hochgelobten Auftritt auf dem Newport Folk Festival und entschieden sich daraufhin ein Album mit eigenem Material aufzunehmen.
Die zweite Scheibe der - klar - Texaner ist denkbar breit gefächert. Produzent Matt Pence, der sich durch seine Zusammenarbeit mit Jason Isbell und John Moreland als Experte für Americana bewährt hat, adelt sich nun endgültig als Ordner breitgefächerter Musik zwischen sattem Funk Rock und traditionellem, vergleichsweise leisem Liedermachertum.
Die Gruppe war zwar seit ihrem Einstand "TX Jelly" (2017) nicht mehr so Gitarren-orientiert aufgestellt wie jetzt, hat aber äußerst dynamische Stücke geschrieben. Selbige strahlen Pop-Appeal und eine Lässigkeit aus, die man in musikalischer Form eigentlich nur aus den US-Südstaaten so ausgedrückt geboten bekommt. Um konkret zu werden, was die wahrscheinlichen Einflüsse der Band betrifft, kann man Jefferson Airplane zu psychedelischsten Zeiten und Funkadelic (eben dann, wenn es rockig zugeht) anführen, aber das Spektrum ist ein weit breiteres.
Die erste Single 'Ain't Nothin' bildet demzufolge lediglich einen Ausschnitt ab; ein gewisser Jam-Charakter ist natürlich kaum von der Hand zu weisen. und die stetig wechselnde Gästeschar, die das Quintett zu aufnahmen einlädt, garantiert eine verhältnismäßig bemerkenswerte Unvorhersehbarkeit.
<iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/brTUruUu4w0" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe>
FAZIT: Singer-Songwriter-Muzak und satter Funk Rock (Funkadelic oder Booker T. and The M.G.'s lassen grüßen) gehen auf THE TEXAS GENTLEMEN's neuem Longplayer eine ideale Verbindung ein. Ihr braucht dieses Wahnsinnsding wie die sprichwörtliche Luft zum Atmen! <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/bddc1d994c9a4d74ac3a90c2b0980457" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 11.07.2020
New West / PIAS-Rough Trade
65:37
17.07.2020