Kreisende Gedanken, Träume und Wünsche … The Wood Brothers beschäftigen sich auf ihrem siebten Album mit den oftmals belastenden Luftschlössern, die wir in der Regel unbewusst bauen, und ermutigen uns Hörer mit passenderweise erbaulicher Musik zu einer Suche nach innerem Frieden.
Das Streben nach Sinn im Leben, den Kampf gegen Ängste und Seelenpein und ähnliche Erbaulichkeiten vertont das Ensemble wie zu erwarten mit nahezu völlig entschleunigter Musik, doch von bemüht verzärteltem oder ach so introvertiertem Gejammer kann bei "Kingdom In My Mind" keine Rede sein. Schon das eröffnende Narrativ 'Alabaster' kommt schnoddrig lässig mit R&B-Note und verspieltem Klavier daher (in 'Little Blue' findet es später sein Pendant), wobei sofort eine intime Club- oder Kammerkonzert-Atmosphäre aufkommt.
Mehrstimmige Vocals bzw. Chorgesang, ein herrlich bauchiger Kontrabass und bis zum knalligen Schmatzen beherzt gezupfte Akustikgitarren erweisen sich im weiteren Verlauf der Songs als maßgebliche Gestaltungsmittel der aktuellen Musik der Wood Brothers. Hauptstrippenzieher Chris zieht dabei in textlicher Hinsicht quasi alle Register, während er anhand mal lakonisch erzählter ('Satisfied'), mal mit verhaltener Euphorie vorgetragener Geschichten zum Ausbalancieren der Licht- und Schattenseiten des Menschseins aufruft, um psychisch gesund zu bleiben oder es wieder zu werden.
Mit dem rockigen Halb-Gospel 'Little Bit Broken' werden The Wood Brothers stellenweise laut wie selten, doch insgesamt verkörpert ihr jüngstes Werk Americana im Sinne seines Titels von ihrer herzlichsten Seite … mit unaufdringlichen Weisheiten als beträchtlichem Mehrwert.
FAZIT: Im Kern ist "Kingdom of the Heart" eine Album über die Conditio Humana und Erkenntnis der eigenen Vergänglichkeit. The Wood Brothers inszenieren ihre Anregung zum Beantworten diesbezüglicher Fragen auf wohltuend unverkrampfte, dafür aber musikalisch umso prachtvollere Art zwischen softem Southern Rock, Singer-Songwriter-Balladen und "weißem" Soul, der den Sex gewissermaßen gegen Selbsthilfe-Literatur eingetauscht hat. <img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/3cf3746f11b045ea8fafe5cd7bb187a2" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 21.01.2020
Honey Jar / Thirty Tigers / Bertus-Membran
38:48
24.01.2020