Keine Frage, man merkt THRUDVANGARs neuem, sechstem Album an, dass die Band nicht erst seit gestern in Sachen Pagan Metal unterwegs ist, doch "Vegvisir" leidet möglicherweise ausgerechnet unter der Souveränität, mit der die zur Jahrtausendende aus der Taufe gehobene Gruppe 2020 vorgeht.
Ganz einfach gesagt ließe sich die Platte im Grunde genommen gegen ihre beiden Vorgänger austauschen, ohne dass es Hörern auffallen würde, die etwas Abstand zu THRUDVANGAR haben. Sie ist ein mustergültiges Genre-Werk mit typischen (heißt: kraftmeiernd, Phrasen dreschend pathetischen) Texten muttersprachlicher Art, wobei sich die Gruppe aber redlich bemüht, zumindest im gegebenen, beschränkten Rahmen Abwechslung zu gewährleisten.
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Als musikalisch untermalte Predigt an die bereits Bekehrten (lies: Feierabend-Wikinger) erfüllt die Scheibe ihren Zweck im vollen Umfang, doch sollte man neue Einsichten in die eigentlich faszinierende Materie des nordeuropäischen bzw. germanischen Heidentums gewinnen wollen, schaut am durch die fiesen Stereotypen in THRUDVANGARs Texten in die metaphorische Röhre.
fast thrashig peitschende 'Fenrirs Brut', bei dem sich der druckvolle, wenn auch charakterlose Sound von Produzent Lars Rettkowitz (Freedom Call) so richtig bezahlt macht … und sollte man diese Stakkato-Riff-Breitseite womöglich als Eingeständnis an "moderne" Strömungen innerhalb der Metal-Szene verstehen? Odin bewahre!
Spaß beiseite, "Vegvisir" driftet zu keiner Zeit in Methorn-Schlager-Gefilde ab, auch wenn man stellenweise ('Für die Ewigkeit') das Gefühl hat, das alles schon einmal deutlich besser vorgemacht gehört zu haben. Als Anspieltipps des Keyboard- und Chor-schwangeren Treibens dienen 'Jörmungandr' mit seiner denkwürdigen Gitarrenmelodie und die abschließende Ballade 'Alles was bleibt', in der Frontmann Matze beweist, dass er auch ein fähiger melodischer Sänger ist. Mehr davon …
FAZIT: THRUDVANGAR sind und bleiben im Guten wie Schlechten der Inbegriff des deutschen "Pagan" Metal - klischiert, aber halbwegs unpeinlich,. mal heroisch stampfend und mal flotter agierend ohne allzu viel Mut, etwas Neues zu wagen. <img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/c14b3f0fd0b64f3cbc8e0231a66753f2" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 11.11.2020
Mathias Träbert
Sebastian Rasch, Daniel Stromayer
Torsten Schildhauer
Trollzorn / Soulfood
45:47
13.11.2020