Bei DREAM UNENDING haben Derrick Vella von Tomb Mold und Justin DeTore von Innumerable Forms einen gemeinsamen musikalischen Nenner gefunden. Das Duo etablierte schon auf seinem ersten gemeinsamen Album "Tide Turns Eternal" einen Traditionen folgenden Doom-Sound, dessen Haupteinflüsse abgesehen von ihren Landsleuten Winter und - die Namensähnlichkeit ist wohl kein Zufall - Dream Death frühe britische Genre-Acts wie My Dying Bride oder die jungen Anathema gewesen sein dürften.
Hinzu kommen auf dem nun vorliegenden Nachfolger mehr Elemente aus der Goth Rock- und Wave Ecke als auf dem Einstand. Das Projekt quält sich ähnlich wie die Szene-Veteranen Evoken und Skepticism im Begräbnismarsch-Tempo mit Staubsauger-Vocals durch lange Kompositionen, die sich jedoch im Gegensatz zum Material artverwandter Gruppen dadurch auszeichnen, dass eben nicht nur Power Chords in Zeitlupe geschrubbt werden.
Stattdessen tun sich DREAM UNENDING dank jener Wurzeln in der rockigen Gruft der ersten Hälfte der 1980er durch ein immer wieder luftiges unsodmit insgesamt überdurchschnittlich dynamisches Klangbild aus, wobei sie sich nur einen Schönheitsfehler erlauben: Die einseitigen Growls werden der frei atmenden Musik nicht vollends gerecht, weder hinsichtlich der vielen detailverliebten Lead- und Sologitarren noch in Bezug auf das konstant eingestreute Keyboard, dessen Einsatz sich nicht allein auf andickende Akkord-Teppiche beschränkt.
Gehobene Kunst ist das Ganze trotzdem - nicht zuletzt in Bezug auf das zwischendurch dramatisch Fahrt aufnehmende ´In Cipher We Weep´ und die elf meisterlich in Szene gesetzten Minuten von ´Dream Unending´; sollte dieser Quasi-Erkennungstrack fortan als Richtschnur für die kompositorische Qualität des definitiv nicht flotten Zweiers herhalten, dürfen wir uns beim dritten Anlauf auf eine weitere Steigerung mit noch mehr Facetten freuen.
FAZIT: Leicht überdurchschnittlicher Death Doom mit verträumt psychedelischem Unterfutter und Qualtiäten eines stimmungsvollen Soundtracks - DREAM UNENDING werden ihren Weg gehen und sich langfristig einen eigenen Sound erarbeiten, falls sie keine reine Gelegenheits-Veranstaltung sind. <img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/bc8555e632c444999da0d0105873c88f" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 10.11.2021
20 Buck Spin / Soulfood
45:10
19.11.2021