Und die nächste Nachlese eines Streaming-Events während der Covid-19-Pandemie: Bei “Omega Alive” handelt es sich um EPICAs Performance vom 12. Juni 2021 für Fans, die das Konzert im Internet mitverfolgen konnten, und da das ganze sowohl visuell als auch klanglich astrein über die Bühne ging, erscheint es nun auch für all diejenigen, die nicht "live" mit am Start haben.
Laut Mastermind Coen Janssen bestand das Ziel der Symphonic-Metal-Aushängeschilder darin, eine ultimative Show aufzufahren, was sich letztendlich dadurch äußerte, dass die einzelnen Songs beziehungsweise Set-Abschnitte von gesonderten Bühnenkulissen und Kleidern der Bandmitglieder begleitet werden, wobei etliche Showelemente zum Einsatz kommen, was nicht nur in der Metal-Szene faktisch beispiellos ist. Technik, die begeistert…
Das in fünf Akte segmentierte Programm (O, M, E, G, A für Overtura – Magnituda – Eklysia – Gravita – Alpha & Omega) mutet in der Tat wie ein theatralisches Drama an. Das Gros der Trackliste setzt sich aus Stücken der 2021er Scheibe "Omega" zusammen, wie der Titel bereits suggeriert, und "Omega – Sovereign Of The Sun Spheres" bildet den sinnvollen Schlusspunkt. Zuvor ragen das breitwandige ´The Skelton Key´ und die Single ´Rivers´ als A-Capella-Version heraus.
´Unchain Utopia´ läutet gewissermaßen einen Vintage-Part ein: ´The Obsessive Devotion´ stammt von "The Divine Conspiracy" (2007), ansonsten dominiert Material von "The Quantum Enigma" (2014) - später auch ´Freedom – The Wolves Within´, wohingegen der Debüt-Ohrwurm ´Cry for the Moon´ (2003) pfiffig kurz vors dicke Ende gesetzt wurde.
Die eingeschobenen Videosequenzen zur Illustration des textlichen Narrativs zerstören den Flow der Songs erstaunlicherweise nicht, denn man weiß ja im Grunde, dass es sich hierbei nicht um einen konventionellen - womöglich noch in einem stickigen Club - mit viel sprichwörtlichem Blut, Schweiß und Tränen sowie entsprechender Spontaneität und Emotionalität handelt. Sieht so die Zukunft musikalischer Live-Shows aus? Keine Ahnung… ein bisschen aseptisch wirkt´s schon (auch wenn die Band zwischendurch regennasse wird…), doch als Kompromiss zu einer Zeit, in der Konzerte quasi verboten sind, eignet sich "Omega Alive" ausgezeichnet.
FAZIT: Eine Ausnahme-Livealbum von einer Band, die nicht umsonst an der Spitze ihres Genres steht - EPICA zeigen sich auf "Omega Alive - A Universal Streaming Event" in bester Form und erheben die Darbietung von sinfonischem Metal mit Frauengesang im virtuellen Raum zu einer Kunstform. <img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/a6e33ff1b49c4bf590caa101338530df" width="1" height="1" alt="">
Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.12.2021
Rob van der Loo
Simone Simons, Mark Jansen
Mark Jansen, Isaac Delahaye
Coen Janssen
Ariën van Weesenbeek
Nuclear Blast / Rough Trade
80:35
03.12.2021