<b>„GBO waren eine der drei oder vier größten Bands aller Zeiten. Ihr Einfluss auf andere Musiker entspricht einer Dimension, wie sie die Beatles in der öffentlichen Aufmerksamkeit besaßen.“</b> (Zitate aus dem Booklet zu „Wade In The Water – Classics, Origins & Oddities“)
Dann waten wir doch mal mit THE GRAHAM BOND ORGANIZATION durch das musikalische Wasser… Oder waten wir besser durch den legendären Sumpf aus Drogenmissbrauch und musikalischer Genialität einer Band, die gerade mal Mitte der 1960er-Jahre zwei Alben hervorgebracht hat und aus der drei legendäre Musikformationen hervorgingen, während ihr Chef Graham Bond jämmerlich – von einem Zug überfahren und nur noch durch seine Fingerabdrücke identifiziert – einging: CREAM, COLOSSEUM und JOHN McLAUGHLIN.
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Dass Repertoire Records nunmehr eine 4-CD-Box veröffentlicht, ist definitiv bei der Vielzahl der Aufnahmen eine Sensation und für alle, die noch ihren 60er-/70er-Jahre-Legenden CREAM, BLIND FAITH, COLOSSEUM und McLAUGHLIN nachjagen. Und für solche Jäger zugleich unverzichtbar, weil die Aufnahmen nicht nur von der echten Genialität dieser kurzlebigen Band zeugen, sondern auch vom Klang her (remastert von Jon Astley) rundum überzeugen und natürlich alle Songs der beiden offiziellen LP's <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2018/The-Graham-Bond-Organization/The-Sound-Of-65-1965-Abbey-Road-Remaster-auf-Vinyl/" target="_blank" rel="nofollow">„The Sound Of 65“ (1965)</a> und <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2018/The-Graham-Bond-Organization/Theres-A-Bond-Between-Us/" target="_blank" rel="nofollow">„There's A Bond Between Us“ (1965)</a> enthalten.
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Welche Goldgrube für Sammler diese Box (ein Pappschuber, in dem zwei Doppel-Jewel-Cases samt zwei dicken, jeweils 20-seitigen Booklets stecken) geworden ist, besteht nicht vorrangig in der Tatsache, dass man hier sage und schreibe 96 Stücke der THE GRAHAM BOND ORGANIZATION geboten bekommt, sondern gleich 36 davon bis dato noch nie veröffentlicht wurden. Als Grundlage für die Remixe dienten fast ausschließlich die Masterbänder, was zur perfekten Abbildung eines hervorragenden Stereo-Klangs führt. Besonders die Bond-Orgel, aber auch der Gesang klingen kristallklar und ordnen sich ausgezeichnet in den Gesamtsound ein. Noch dazu muss man die Instrumentalisten allesamt als begnadet bezeichnen, was nunmehr bei diesem wahren Soundspektakel überdeutlich herauszuhören ist. Einzige Ausnahme sind hierbei die Live-Aufnahmen der letzten CD, die man zwar komplett ‚entrauscht‘ und so gut es ging nachbearbeitet hat, die aber trotzdem etwas dumpf und manchmal verzerrt ausgefallen sind. Nur wäre es natürlich schade gewesen, wegen dem nicht ganz so guten Klangbild auf diese Raritäten zu verzichten.
Aber auch bei den beiden 20 Seiten starken Booklets wurde an nichts gespart. Das eine enthält akribisch aufgelistet alle Informationen zu den einzelnen Songs samt Besetzungsliste, Aufnahmejahr usw., während das andere neben vielen Fotos zugleich ein umfangreiches Essay von Pete Brown aus dem Jahr 2012 beinhaltet.
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FAZIT: Mit „Wade In The Water – Classics, Origins & Oddities“ liegt nunmehr die umfangreichste und sicher in dieser Form nicht mehr zu überbietende THE GRAHAM BOND ORGANIZATION-Werkschau (96 Stücke, von denen 36 bisher noch nie veröffentlicht worden sind!) einer der führenden und viel zu schnell 'versumpften' R&B-Formationen aller Zeiten vor. Sogar die erste Gesangsperformance von GINGER BAKER und einen sehr seltenen, recht wilden Live-Auftritt der Originalbesetzung aus dem Jahr 1964, der die Box abschließt, gibt es zu hören.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.03.2021
Repertoire Records
307:59
01.02.2021