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The KVB: Unity

Stil: Folk, Country

Cover: The KVB: Unity

Es gibt ja vermutlich außer THE KVB gar nicht so viele Bands, die eine direkte Verbindung zwischen der Musik und der Architektur erkennen können und versuchen, beides miteinander auf audiovisueller Ebene zu verquicken. Insofern ist es für NICHOLAS WOOD und KAT DAY vermutlich selbstverständlich, dass sie auch auf ihrem siebten Album wieder Grundlagenforschung in dieser Richtung betreiben, während sich Geringere vielleicht nach wie vor fragend am Kopf kratzen.

„Unity“, der Titel des neuen Albums des nach einer umtriebigen Zeit in Berlin nun in Manchester ansässigen Darkwave-Duos ist dabei wieder ein Hinweis für die komplexen philosophischen Gedankengänge, die NICK und KAT anstellen: Der Architekt LE COURBUSIER entwickelte in den 60er Jahren eine „Brutalismus“ genannte Architekturströmung, bei der unverarbeiteter, roher Beton auch an der Außenfläche von Gebäuden sichtbar ist und nannte die erste so entstehenden Wohneinheiten „Unité d'Habitation“.
KAT DAY, die bei THE KVB für die Visualisierungen zuständig ist, ist – nach eigener Aussage – besessen vom Brutalismus und bemüht, dieses in den Animationen der KVB-Videoproduktionen und Bühnenprojektionen zum Ausdruck zu bringen. Auch das Video zum Titeltrack ist von der Architektur beeinflusst, wenngleich in dem Fall von der japanischer Großstädte.

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Damit aber nicht genug: NICK WOOD erklärt darum ergänzend, dass es THE KVB wichtig ist, mit der Ambivalenz von Wortbedeutungen zu spielen und diese in ihren Texten verwenden, um den Hörer zum Zuhören und Nachdenken anzuregen (was auf „Unity“ durch bewusst verhallt in den Hintergrund gemischten Vocals noch „unterstützt“ wird). Ergo wird dann aus „Unité“ - der Wohneinheit – das aus dem englischen Sprachgebrauch bekannte Gemeinschaftsgefühl der „Unity“ und ein allgemeines Vexierspiel inhaltlicher Art.

Dass THE KVB auch mit ihrem angestammten Kerngeschäft – mit Club-, Techno-, New Wave- und Krautrock-Elementen angereicherten Darkwave-E-Pop-Sounds – wieder reüssieren können, dafür sorgt zudem Produzent ANDY SAVOURS, der nicht nur das Soundvolumen erweiterte (der Single-Track „World On Fire“ etwa ist gleichermaßen als Pop- wie auch Rock-Song geeignet), sondern auch mit seinen eigens programmierten Drum-Patterns, Loops und Beats für mehr Wumms in der Bazooka sorgte.

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Muss man das alles wissen, um die neue KVB-Scheibe goutieren zu müssen?
Nein – aber es hilft.

FAZIT: Während sich das philosophische Konstrukt des neuen KVB-Albums „Unity“ abstrakter denn je anhört, ist die neue Musik des Duos aus mehreren Gründen überraschend zugänglich, vielseitig und auf gewisse Weise sogar poppig geraten. Das liegt zum einen daran, dass sich THE KVB stilistisch öffnen, Melodien und Refrains zulassen, zum anderen aber auch daran, dass KAT DAY auf diesem Album deutlich mehr Gesangsanteile übernimmt, was der Sache viel von der inhaltlichen Abstraktion nimmt, auch wenn sie selber meint, dass ihr als Sängerin etwa die Atmosphäre wichtiger sei als Emotionen.

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Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.11.2021

Tracklist

  1. Sunrise Over Concrete
  2. Unité
  3. Unbound
  4. Future
  5. Blind
  6. Ideal Living
  7. World On Fire
  8. Structural Index
  9. Lumens
  10. Omni

Besetzung

  • Gesang

    Nicholas Wood, Kat Day

  • Gitarre

    Nicholas Wood

  • Keys

    Kat Day

Sonstiges

  • Label

    Invada Records

  • Spieldauer

    38:52

  • Erscheinungsdatum

    26.11.2021

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