Der Titel „Aeromantic II“ mag manchen auf den Trichter bringen, THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA - bekanntermaßen ein AOR-Projekt aus dem Nimbus der Melodic-Death-Metaller Soilwork mit viel Erfolg und deshalb auch entschiedenem Band-Charakter - enthalte Ausschuss aus den "Aeromantic"-Sessions, doch dem ist nicht so. Das gesamte Material entstand in einem Rutsch und wurde schlichtweg auf zwei Alben verteilt.
Gleich zu Beginn nimmt ´Violent Indigo´ mit ´Jump´-Fanfaren (Van Halen) für THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA ein, ehe ´Midnight Marvelous´ mit kräftiger early-Kansas-Schlagseite daherkommt und ´Chardonnay Nights´ dahinschreitet wie Survivor mit ´Eye of the Tiger´. Zig Spitzfindigkeiten auf der spielerischen Seite in Form kurzer Keyboard-Kaskaden oder virtuoser Bass-Fills zeugen einmal mehr von der musikalischen Klasse der Instrumentalisten.
Unterdessen leiert sich Front-Spiegelsonnenbrille Björn "Speed" Strid einen Ohrwurm-Chorus nach dem anderen aus den Stimmritzen, wobei er nicht selten von den beiden nun fest integrierten Background-Sängerinnen begleitet wird. Abartig eingängig ist in diesem Zusammenhang speziell ´You Belong To The Night´
Die treibenden Gassenhauer ´How Long´ und ´Amber Through A Window´ (barocker Poprock à la Buggles oder Roxy Music pur) stehen dem schummrigen, arrangementtechnisch reduzierten ´Zodiac´ gegenüber, das vermutlich als ultimativer Hit des Albums im Live-Programm des Ensembles landen wird - vielleicht neben dem melancholisch federnde ´Burn For Me´ mit charakteristischem E-Piano und dem lässig in der Sonne badenden ´I Will Try´?
Abermals agieren THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA völlig frei von ironischer Belustigung über eine überwundene Ära der Musikgeschichte, dafür aber mit aufrichtiger Liebe dazu und einem Gespür für Hits, wie man es zwar von ihnen erwartet, aber immer noch kaum fassen kann.
FAZIT: Musikalisches Softeis, von dem man garantiert kein Karies bekommt. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/c7bb36046a7042a0834209913ba3eb78" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 02.09.2021
Sharlee D’Angelo
Björn Strid, Anna-Mia Bonde, Anna Brygård
Sebastian Forslund, David Andersson
Sebastian Forslund
Jonas Källsbäck
Nuclear Blast / Rough Trade
51:28
03.09.2021