Das vierte THE PICTUREBOOKS-Album ist ein Allstar-Unterfangen der nicht alltäglichen Art, denn das Duo hat eine bunte Menschenschar mit herausragenden Stimmen eingeladen, um "The Major Minor Collective" zu einem Langspieler zu machen, der in seiner Diskografie voraussichtlich eine Sonderstellung einnimmt.
So vielfältig klangen Frontmann Fynn Claus Grabke und Schlagzeuger Philipp Mirtschink jedenfalls nie - und das, obwohl sie keinen Fußbreit von ihrer rockigen Blues-Formel abweichen. Das erste St ück ´Here’s to Magic´ mit Refused-Frontmann Dennis Lyxzén erweist sich demnach wenig überraschend als hypnotischer US-Südstaaten- Soul, und das folgende ´Corrina Corrina´ mit Clutchs Neil Fallon ist davon auch nicht sonderlich weit weg.
Die Beteiligung von Black Stone Cherrys Chris Robertson in ´Catch Me If You Can´ grenzt hingegen an eine kleine Sensation, und als amtlicher Stampfer enttäuscht die Nummer auch in keiner Weise. Das zarte ´Beach Seduction´ eignet sich trefflich für den ersten Beitrag einer Sängerin (die weitgehend unbekannte Leah Wellbaum steht der Gruppe Slothrust vor) und fällt aufgrund seiner zurückhaltenden Art ein wenig aus dem Rahmen, bestätigt aber den Facettenreichtum der Platte.
Der fesche Swinger ´Holy Ghost´mit dem näselnden Organ von Monster Trucks Jon Harvey geht in Richtung Rival Sons, ehe ausgerechnet Blues Pills-Sternchen Elin Larsson während des kratzigen ´Too Soft To Live And Too Hard To Die´ - gesungen im Duett - ganz spitze Zähne zeigt und sorgt für einen entschiedenen Höhepunkt sorgt.
Das belanglose Pathos-Ballädchen ´Rebel´ passt insofern gut zu Sängerin Lzzy Hale, als ihre eigene Combo Halestorm ebenfalls beliebigen Quark anrührt, und der ehemalige Kvelertak-Frontmann Erlend Hjelvik setzt während des musikalisch gleichsam schwachen ´Multidimensional Violence´ auch keine Akzente.
Kennt jemand The Inspector Cluzo? Okay, nur wenige, doch deren Mitglieder Laurent Lacrouts and Mathieu Jourdain veredeln das dynamische ´Riders And Farmers´ zu einem weiteren Glanzlicht auf "The Major Minor Collective" Bleiben noch ´Again and Again´ (kurzes Zwischenspiel und ´Song 12´ (bis auf lautmalerische Äußerungen ein einprägsames Instrumental als Outro), die ohne Gäste aufgenommen wurden.
FAZIT: Das abwechslungsreichste THE PICTUREBOOKS-Werk bisher besticht durch größtenteils sofort zündende Songs und eine gesangliche Vielfalt, die im normalen, idealerweise für die Bühne tauglichen Band-Format undenkbar wäre. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/7ce8b33bbb4a4dc5b3bf92017e5807cf" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 06.09.2021
Fynn Claus Grabke
Fynn Claus Grabke
Philipp Mirtschink
Century Media / Sony
43:13
03.09.2021