Ein Trio in ungewöhnlicher Besetzung: THE VELVETEERS bestehen ganz und gar nicht samtig (um auf ihren Namen Bezug zu nehmen) neben Sängerin und Gitarristin Demi Demitro lediglich aus Schlagzeuger Jonny Fig und… äh - Schlagzeugerin Baby Pottersmith. Substanz- und bassarmes Gepolter braucht man aber von ihrem Debütalbum nicht zu befürchten.
Der von Grammy-Gewinner Dan Auerbach produzierte Einstand der Gruppe aus Boulder im US-Bundesstaat Colorado ist aber freilich eine minimalistische Angelegenheit, was sich angesichts der instrumentalen Konstellation ja von selbst verstehen dürfte. In stilistischer Hinsicht bedienen THE VELVETEERS, die 2014 aus der Taufe gehoben wurden, eine Schnittmenge aus Fans von Indie Blues und Garagen-Rock, wobei live mitnichten zwei Drumkits auf der Bühne stehen; stattdessen bearbeiten Fig und Pottersmith ein einziges Schlagzeug, und diese im besten Sinn eigenwillige Herangehensweise schlägt sich auch hörbar auf "Nightmare Daydream" nieder.
Die größtenteils zwischen zwei und drei Minuten Spielzeit aufweisenden Kompositionen zeichnen sich durch eine kantige Rhythmik aus, grooven also leicht verquer und spiegeln somit ein Maß an Spontaneität wider, das selbst vielen selbsternannten Punk-Combos abgeht… und apropos: Ein Stück wie ´Motel´ mit seinen leicht übersteuerten Vocals lässt sich prima in der Riot-Grrrl-Abteilung von L7 und Babes in Toyland einordnen, ein gewisses Nineties-Flair ist also schwerlich von der Hand zu weisen.
Beachtenswert außerdem: THE VELVETEERS bauen mitunter eindrucksvolle Soundwälle auf, die sie dann mit Wonne einreißen, ohne das Pop-Appeal ihrer Musik komplett aufzugeben. Das zurückgelehnte ´What a Smile Can Hide´ ist diesbezüglich mustergültig und zeugt ferner von Demitros Kreativität an den sechs Saiten.
Ergo gefällt die Combo auf allen Eben mit außergewöhnlichen Klangfarben und bestätigt, dass nichts Über unbedarfte Autodidaktik geht, wenn man in der Kunst frische Akzente setzen möchte.
FAZIT: Garage Rock im weitesten Sinn von höchster Originalität - THE VELVETERS punkten auf ihrem ersten Album mit einem spleenigen Ansatz, was Musikmachen generell angeht, und erweisen sich als mehr als solide SongwriterInnen mit einer Reihe Ohrwürmer im Aufgebot. <img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/d2807fd4165941a18455a958a9415f79" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.10.2021
Demi Demitro
Demi Demitro
Baby Pottersmith, Jonny Fig
Easy Eye Sound / Concord
38:09
08.10.2021