Seit ihrer Gründung im Jahr 2003 durch Steffen Kummerer (Mastermind von Obscura) sind THULCANDRA eine immer wieder gern gehörte Tribut-Kapelle gewesen, die das Erbe der schwedischen Black-Death-Pioniere würdevoll vertritt. Nach einer sechsjährigen Pause, in der manch ähnlicher Act emporgekommen ist (Thron, The Spirit), zeigt sich das umbesetzte Quartett abermals in Bestform.
Nach dem Intro ´Orchard of Grievance´ macht ´In Vain´ tatsächlich den Schmerz spürbar, dem Kummerer auch auf dem neuen Longplayer seiner Hauptband ("A Valediction") Ausdruck verleiht, weil ihm in jüngerer Zeit Freunde, Angehörige und Mitmusiker (eben auch THULCANDRA-Tieftöner Christian Kratzer) weggestorben sind.
´Funeral Pyre´ ist als ballernder Opener die perfekte Vorab-Single gewesen, um die Rückkehr der Gruppe anzukündigen, und auch danach bleibt alles erfreulicherweise beim Alten: Das in leicht gedrosseltem Tempo kontrollierter anmutende ´Scarred Grandeur´ lässt ausladende Lead-Parts zu, ´Nocturnal Heresy´ enthält mehrere (Schlagzeug-)Breaks, die so oder so ähnlich auch auf "Storm of the Light´s Bane" (Dissection) oder "The Coming of Chaos" (Sacramentum) hätten stehen können … passend dazu, aber angesichts der kompositorischen Güte des Ganzen im Grunde genommen nur eine Fußnote wert ist die Tatsache, dass das Material im Unisound Studio von Dan Swanö (Dissection, Opeth, Bloodbath, Katatonia) produziert, gemixt und gemastert wurde
Beinahe Dauersperrfeuer streut ´The Slivering Silver´, bevor ´In Bleak Misery´ quasi als Pendant zu ´Feathers Fell´ (wieder Dissection) durchgeht. Mit ´A Shining Abyss´ (großartig flüssig eingewobene Halbakustik-Bridge) und ´Devouring Darkness´ (überraschend schriller Endspurt im letzten Drittel - Gänsehaut-Garantie!) folgen zwei epische Tracks, die nur etwas kürzer sind als das abschließende Titelstück: ´A Dying Wish´ erweist sich dann mit fast acht Minuten Spielzeit als liebevoll ziselierte Midtempo-Reise in den Abgrund, in der das in diesem Genre so gern fiktionalisierte Ableben so realistisch greifbar wird wie selten.
FAZIT: Wie zu erwarten ist "A Dying Wish" ein weiterer süchtig machender Tribut an den klassischen (schwedischen) Black Death Metal der 1990er, und THULCANDRA bleiben zwischenzeitlich emporgekommenen Geistesbrüdern ein bis drei Antikreuzlängen voraus. <img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/eff6016cac5048fa8c0cb41c42932518" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 23.10.2021
Steffen Kummerer
Steffen Kummerer
Steffen Kummerer, Mariano Delastik
Alessandro Delastik
Napalm / SPV
46:40
29.10.2021