Im Zusammenhang mit THYRFINGs neuem Album von einem Comeback zu sprechen ist nur bedingt korrekt, weil die Schweden zwar eine achtjährige Studio-Pause hinter sich haben, währenddessen aber regelmäßig auf internationalen Bühnen zu sehen gewesen sind. So oder so klingt die Band auf "Vanagandr" im Verhältnis zu dem, was sie bislang ausgezeichnet hat, praktisch unverändert.
Geboten wird also auch 2021 typischer Extrem-Metal im weitesten Sinn, den man gern mit "Viking" oder "Pagan" präfigiert. Die von Jakob Herrmann (In Flames, Machine Head, Evergrey) co-produzierte Scheibe steht auf der inhaltlichen Ebene einmal mehr im Zeichen nordischer Mythologie, kann aber wie ihre Vorgänger auch von diesem Themenkreis entkoppelt genossen werden. Der Vorgänger "De Ödeslösa" wie bereits ein mehr an Härte auf, und mit dem Weggang ihres Langjährigen Keyboarders hat sich diese Tendenz weiter verschärft.
Vielleicht paradoxerweise bietet "Vanagandr" aber die vielleicht opulentesten sinfonischen Parts, die THYRFING jemals im Aufgebot hatten. ´Undergångens länkar´ ist hingegen ein ganz klassischer Midtempo-Stampfer und quasi ein Band-Hit auf Ansage, bei dessen Aufführung während zukünftiger Konzerte wahrscheinlich der Bär (oder Fenriswolf) steppen wird. Kontrastprogramm dazu: die gediegenen Blastbeats in ´Träldomsord´ inklusive klingelnder Glocken , was kurz vor Schluss besonders packend daherkommt.
Da die gut geölte Rumpfmannschaft um Hauptkomponist und Mitbegründer Patrik Lindgren sowie Schreihals Jens Rydén für ihren achten Longplayer im Schnitt sechs Minuten lange Stücke komponiert hat, weist das Ergebnis einen bis zu einem gewissen Grad progressiven Anspruch auf. Epische Momente mit melodischem Gesang machen es aber wiederum verflucht eingängig.
Reichlich Streicher-Dramatik gibts speziell im Opener und während ´Rötter´ zu hören, das zudem ein wenig tänzerisch anmutet. ´Fredlös´ hingegen, das mit fünfeinhalb Minuten kürzestes Stück, hat wohl den stärkste Refrain, der zweistimmig mit Gekreisch und klaren Vocals vorgetragen wird. ´wobei ´Döp dem i eld´ mit weiblichen Chorstimmen im rasanten Uptempo subtil sinfonisch unterlegt hervorsticht und das getragene, klagende ´Jordafärd´ ein angemessenes Finale ist.
FAZIT: "Vanagandr" ist THYRFINGs bislang dringlichstes, abwechslungsreichstes und über den Pagan-Metal-Kontext hinaus massentauglichstes Album. Wer sich nur ansatzweise für skandinavischen Stahl interessiert, muss die Platte kennen. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/91ab2f4bcf7e450499388cfc2d5ab3ab" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 30.08.2021
Joakim Kristensson
Jens Rydén
Patrik Lindgren, Fredrik Hernborg
Dennis Ekdahl
Despotz / Rough Trade
49:34
27.08.2021