Wieder einmal bewahrheitet sich bei dieser Gelegenheit der Warnhinweis „Don't judge an album by its cover“, denn es wäre jammerschade, vom hier großzügig verwendeten Rosa auf billig aufgepeppten Inhalt zu schließen. Damit liegt man zwar hie und da bekanntlich nicht falsch; in diesem Fall jedoch erweist sich der Titel „You Gotta Have It“ als gar nicht mal übertrieben.
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TIA CARROLL ist keine Newcomerin. Bereits seit Jahrzehnten ist die Sängerin mit ihrer eigenen Band unterwegs, zur Hauptsache im Westen der USA, aber auch mit Abstechern nach Europa und Südamerika. „You Gotta Have It“ ist nun aber erstaunlicherweise tatsächlich die erste in ihrer Heimat entstandene Studioaufnahme, eingespielt in Kid Andersens Greaseland Studio in San Jose. Unter den elf Stücken des Albums finden sich drei bemerkenswerte eigene Songs der Sängerin:
„Even When I'm Not Alone“ ist eine wunderschöne und gänzlich auf CARROLLS Stimme zugeschnittene Ballade; das funkige „Leaving Again“ wird von der erfahrenen Multiinstrumentalistin Vicki Randle mit Perkussion und Stimme unterstützt, und „Move On“ gehört zu den Highlights des Albums – das ist Soul-Blues der besten Art, reich instrumentiert, mit prächtigen Bläsersätzen und dem brasilianischen Gast-Gitarristen Igor Prado in Hochform. "I gotta message for y'all... get up when you fall and move on!" – derart attraktiv verpackten Ratschlägen schenkt man gerne Gehör!
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Auch unter den acht Fremdkompositionen finden sich keine Füller, im Gegenteil. „Ain't Nobody Worryin'“ steht Anthony Hamiltons Original in nichts nach, ebenso wenig „Our Last Time“, eine ältere Nummer des Keyboarders Jim Pugh, der hier das Feld allerdings dem Gitarristen Kid Andersen überlässt. Dieser dankt es mit exzellenter Arbeit. Bei „Don't Put Your Hands On Me“ hängt die Latte hoch – Rick Estrin hat das Stück für Koko Taylor geschrieben. Aber auch mit dieser Interpretation brauchen sich TIA CARROLL und ihre Mitstreiter nicht zu verstecken: Es ist R&B der besten Art!
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FAZIT: Ganz ohne rosarote Brille – TIA CARROLL ist eine Entdeckung, und „You Gotta Have It“ war offenbar längst überfällig, auch wenn man das erst jetzt merkt. Ausgezeichnet jedenfalls, dass die Kalifornierin gleich für ihr erstes „echtes“ Album an die richtigen Musiker und Produzenten geraten ist. So muss man nicht von einer Eintagsfliege ausgehen. Go and have it!
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 17.07.2021
Steve Ehrmann
Tia Carroll
Kid Andersen
Jim Pugh
Paul Revelli
Aaron Lington (Bariton Saxophon), Rob Sudduth (Tenor Saxophon), Mike Rinta (Trombone), The Sons Of The Soul Revivers (Gesang)
Little Village Foundation
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01.06.2021