Ein epischer Titel und eine ebensolche Ausrichtung machen das neue TRIVIUM-Album zu so etwas wie einem Parforceritt durch das bisherige Schaffen der amerikanischen Gipfelstürmer: „In The Court Of The Dragon“ geht hinsichtlich der breiten Fächerung der enthaltenen Songs als nahezu vollkommene Standortbestimmung durch… und passt von seinen inhaltlichen Fokus her perfekt in eine auf allen ebenen unsichere Zeit.
Frontmann Matt Heafy und seine mittlerweile fest miteinander verschweißten Mitmusiker zeigen sich vom Start weg kämpferisch - gewissermaßen aus Trotz angesichts all der Schwarzmaler dort draußen, sei es in den Medien oder auf Social Media; dass dabei jedoch Metaphern von geradezu biblischer Qualität gewählt wurden, kommt dem auf Pathos abonnierten Metal-Mainstream natürlich gelegen, wirkt aber kein bisschen anbiedernd.
Schließlich steht die Gruppe mit beiden Beinen im Hier und jetzt: „In The Court Of The Dragon“ ist praktisch perfekt durchgestylter moderner Heavy Metal zwischen Metallica, als sie mit "Master Of Puppets" Komplexität und Eingängigkeit in Vollendung verschmolzen, und Hit-verdächtigem Metalcore mit allen Schikanen (Breakdowns, Gebrüll), aber paradoxerweise nicht dem geringsten Hauch des Abgeschmackten.
Nach dem unheilvollen Intro ´X´ - es ist die zehnte Studioproduktion der Band - reißt schon das Titelstück mit hymnischem Blastbeat-Refrain und aggressiven Strophen mit, ehe ´Like A Sword Over Damocles´ inklusive Chor-Shouts wie aus einem Stadion, pompös melodischer Lead-Bridge sowie leicht orchestralem Unterfutter (übrigens von ex-Emperor-Frontmann Ihsahn komponiert) quasi Arena-Metal für die Gegenwart bietet.
´Feast Of Fire´ kommt getragen und kämpferisch im Wechsel daher, ´A Crisis Of Revelation´ ist schwedisch knüppelnder Death Thrash mit stampfenden Strophen qualvoll schleppendem Mittelteil sowie Bass-Tapping und Wah-Effekt, während sich alles auf einen dramatischen Höhepunkt hin zuspitzt.
Die über sieben Minuten dauernde Power-Ballade ´The Shadow Of The Abattoir´ erinnert mit ruhigem Intro (Bass-Arpeggio à la Steve Harris) an Iron Maiden in jüngerer Zeit, wobei die Band mit langen Melodiebögen großartige motivische Arbeit leistet. Ungleich prosaischer, wenn auch sehr effektiv wirkt anschließend ´No Way Back Just Through´ und sein idiotensicherer Refrain, das fast achtminütige ´Fall Into Your Hands´ (Midtempo, dann rasante Bridge vor einem umso zarteren Teil, schließlich Reprise hin zur strukturellen Ausgangssituation) hebt den Anspruch abermals sprunghaft an.
Nachdem sich ´From Dawn To Decadence´ penetrant ins Langzeitgedächtnis gehämmert hat, bildet das wieder überlange ´The Phalanx´ mit sich wiegendem Finale zum Schwenken von Feuerzeugen den idealen Abschluss.
FAZIT: "State of the Art"-Metal und zugleich eine vorläufige Zusammenfassung der Karriere von TRIVIUM - an "I the Court of the Dragon" kommt 2021 niemand vorbei, der beim Thema Zeitgeist-Edelstahl mitreden möchte. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/2d3b1d6c2e134de59746524e8f499aed" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.10.2021
Paolo Gregoletto
Matthew Heafy, Corey Beaulieu
Matthew Heafy, Corey Beaulieu, Paolo Gregoletto
Alex Bent
Roadrunner / Warner
56:23
08.10.2021