Laut Andrea Vernillo, der hinter ATTO SEGUENTE steckt, ist das Projekt inspiriert von RADIOHEADs „All I Need“ vom „In Rainbows“-Album. Doch näher sind „Kid A“ und „Amnesiac“, gerade was die kribbelig herumtänzelnden Stücke wie den Opener betrifft. ATTO SEGUENTO, deren vorige EP Thomas Bernhard umwarb, spielt Musik wahrhaft am Puls der Zeit.
Alles ist ständig im Auf- und Umbruch, hier fließt die Zeit nicht, sie wird zerstückelt: Kantig, vertrackt, aber nicht atonal, sind selbst Maschinentänze in obskuren Clubs am Rande namenloser Städte möglich. „Metamatic“ hat es John Foxx genannt, ATTO SEGUENTE lassen Figuren folgen.
Dabei leidet das Album nicht an nervösen Schüben, ATTO SEGUENTE beherrschen ebenso die ruhigen Klänge, wenn auch der „Natural Process“ verschnitten ist mit knisternden Elektrorhythmen. „Listen and let it die“ könnte Teil einer nächtlichen Szene in einem verregneten Science-Fiction-Werk sein, in dem auf der Klinge nicht gerannt, sondern gechillt wird.
Das traumverhangene „Never Conscious“ schwebt vorüber, wird aber durch einen synthetischen Ping Pong-Effekt an den Maschinenpark angeschlossen. Andrea Vernillos Gesang ist passend somnambul und leicht verhallt, was auf „Secrety“ und „Black Eyed Scene“ weiter verdichtet wird. Songs wie geschaffen für mitternächtliches treiben lassen durch dunkle Straßen. Am Ende dieser Noir-Reflektion steht passenderweise „Get Lost“.
FAZIT: „Following Figures“ ist ein schillerndes Nachtstück, pendelnd zwischen fiebrigem Flackern und chilliger Auszeit im Pausenraum des Kraftwerks.
Ab 1 € kann man sich bei Bandcamp eine digitale Ausgabe des Albums holen. Wer Spaß hat an elektronischen Klängen der songorientierten Art sollte zuschlagen.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.11.2022
Andrea Vernillo
Andrea Vernillo
Andrea Vernillo
Stand Alone Complex / Dirty Beach Records
31:51
22.09.2022