Spätestens auf ihrem fünften Album verwandelten sich DIMMU BORGIR in ein Extrem-Metal-Gesamtkunstwerk, dessen anfänglicher Melodic Black allenfalls noch das Fundament eines Filmsoundtrack-kompatiblen Breitwand-Sounds bildete. Zum verspäteten 20-jährigen Jubiläum erscheint die 2001 veröffentlichte Platte nun in einer beträchtlich erweiterten "Remixed & Remastered"-Edition, die selbst für Hardcore-Fans der Band sowie Besitzer einer früheren Auflage zwingend ist.
"Puritanical Euphoric Misanthropia" enthält nun neben den beiden ursprünglichen Japan-Bonustracks - eine 2000 aufgenommene Neufassung der frühen Schandtat ´Devil's Path´ und das ordentliche Twisted-Sister-Cover ´Burn in Hell´ -, wodurch das Album auf zwei CDs verteilt werden musste. Ein dritter Silberling heißt "Dust of Cold Memories" und umfasst teils interessante Demos, Proberaumaufnahmen sowie Mitschnitte aus der Vorproduktionsphase der Platte.
Was taugt nun das klangliche Update? Zunächst einmal hat das Material weder speziell im DIMMU BORGIR-Kontext noch für extremen Metal im Allgemeinen etwas von seiner Relevanz verloren. Abgesehen davon, dass es sich um das erste Studioalbum mit Bassist und Sänger Simen Hestnæs alias ICS Vortex (Borknagar, Arcturus, Ved Buens Ende) als offiziellem Mitglied handelt, war schon die Produktion unter Fredrik Nordström in den Fredman Studios (zuvor hatte man bei Hypocrisys Peter Tägtgren in den Abyss Studios aufgenommen) an sich nicht von schlechten Eltern.
Die Sound-Aktualisierung macht die Platte ein wenig transparenter, ohne dass man im Vergleich zum Original-Mix und -Mastering von einem Quantensprung sprechen müsste. Dessen ungeachtet bleibt "Puritanical Euphoric Misanthropia" - eingespielt mit den weiteren Neuzugängen, Gitarrist Galder (Old Man´s Child) und Blastbeat-Experte Nicholas Barker (Cradle of Filth) am Schlagzeug - eine der bis heute härtesten Scheiben der Gruppe und sticht den unausgegorenen Vorgänger "Spiritual Black Dimensions" (1999) in puncto Songwriting aus, wohingegen das erstmals eingesetzte echte (Göteborger) Sinfonieorchester auf den nachfolgenden Veröffentlichung feinfühliger eingebunden werden sollte, auch weil Keyboarder Mustis die Partituren gekonnter arrangiert, während er sich Mustis zusehends in der Band einleben.
Die Demos und Live-Proberaum-Tracks sind insofern aufschlussreich, als insbesondere letztere belegen, dass DIMMU BORGIR ihren nunmehr sehr komplexen Kram auch wirklich ohne Staffage spielen konnten respektive können. Auch die Beobachtung der im Verhältnis zu den finalen Fassung vorgenommenen Veränderungen an den Tracks entpuppt sich als spannend, weshalb man diesen Re-Release vorbehaltlos empfehlen darf.
FAZIT: Ein gut gealtertes Album, umfangreiches Zusatzmaterial, eine überzeugende klangliche Überarbeitung und viel fürs Auge, was die Verpackung betrifft, machen die vorliegende Neuauflage von DIMMU BORGIRs "Puritanical Euphoric Misanthropia" stichhaltig; darüber hinaus erinnert sie daran, dass knallhartes Geknüppel im Verbund mit einem Orchester noch kurz nach der Jahrtausendwende etwas recht Seltenes oder gar Revolutionäres war. Wichtiges Zeitdokument also? Absolut. <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/91987857d431469497be1448fab85f27" width="1" height="1" alt="">
Erschienen auf www.musikreviews.de am 20.10.2022
ICS Vortex
Shagrath, ICS Vortex
alder, Silenoz
Mustis
Nicholas Barker
Nuclear Blast / Believe
125:52
28.10.2022