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Draugurinn: Minningar úr undirheimum

Stil: Ritual Ambient

Cover: Draugurinn: Minningar úr undirheimum

Stilistisch, atmosphärisch und überhaupt musikalisch scheint sich seit dem (auch hier rezensierten) Album "Ísavetur" wenig bei DRAUGURINN verändert zu haben, was jedoch in keinem Widerspruch zu einer Weiterentwicklung stehen muss. Diese verläuft bei dem eigenwilligen schwedischen Ambient-Projekt – richtig geraten! – zeitlich rückwärtsgewandt: Auf geht es also in die (imaginierte) Altsteinzeit…

Der Klang eines Schwirrholzes ist in nordischer Musik selten anzutreffen, doch zum Beispiel im Black-Metal-Underground nicht komplett unbekannt, denn Kampfar verliehen bereits vor einem Vierteljahrhundert ihren harschen Klängen auf "Mellom skogkledde aaser" durch den Einsatz dieses Instruments eine ebenso ungewohnte wie archaisch anmutende Facette. Nun leitet also auch Dísa Draugurinn das sechste Album ihres gleichnamigen Projekts mit den surrenden Sounds ein, und gesteht diesen mehr Zeit zur Entfaltung ihrer hypnotischen Qualitäten zu. Die drei Kompositionen, die sich auf "Minningar úr undirheimum" ("Erinnerungen aus der Unterwelt") finden, waren ursprünglich gar nicht für eine Tonträger-Veröffentlichung, sondern für ein gemeinsames Konzert mit Grift zur Tag- und Nachtgleiche im Herbst 2020 konzipiert worden, das jedoch aufgrund des Covid-Chaos nicht stattfinden konnte.
"Wie bei allen meinen früheren Werken diente die Natur nicht nur als Muse, sondern auch als wesentliches Instrument", erklärt die Künstlerin. "Das Schwirrholz, ein rituelles Musikinstrument, das bereits 18.000 vor Christus erklang, spielte eine wesentliche Rolle bei 'Minningar úr undirheimum', ebenso wie verschiedene Schlaginstrumente wie Trommeln, Knochen, Steine, Rasseln, Glocken, Hörner und mein Stab. Darüber hinaus habe ich sowohl meine Stimme als auch meine Gitarre eingesetzt, um diese dichte Atmosphäre zu erzeugen, die alle drei Abschnitte zu einem Ganzen verwebt."

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Mit Blick auf die – im Vergleich zur Altsteinzeit weit jüngere - Vergangenheit könnten die "Erinnerungen aus der Unterwelt" ein Echo der "Hexerei im Zwielicht der Finsternis" von Aghast darstellen, jedoch mit einem etwas reichhaltigeren Instrumentarium.
Die auf 250 Exemplare limitierte CD erscheint – aufgrund von Materialengpässen leicht verspätet – im DinA5-Digipak, dessen Booklet einmal mehr zu ihrer Ritualmusik passende Illustrationen von Dísa enthält.

FAZIT: Vertiefung hin, Verdichtung her, das Fazit zum vorigen Album kann hier im Grunde wörtlich wiederholt werden, dieses Mal mit dem zusätzlichen Hinweis, DRAUGURINN bitte nicht mit solcherlei Musik zu verwechseln, die im weitesten Sinne derweil als "Nordic Folk" bezeichnet wird oder als Soundtrack für allerlei "Wikinger-Serien" oder -Filme zum Einsatz gelangt. "Minningar úr undirheimum" tönt wesentlich reduzierter und einsilbiger, fordert vom Hörer nahezu Einkehr in diese oder jene Unterwelt, um sich darin tief und nachhal(l)tig entfalten zu können. Dann erst wiederum wird deutlich, dass DRAUGURINN in einer eigens erschlossenen Welt stattfindet, die wohl nirgendwo besser angebunden wäre als beim hinterwäldlerischen Nordvis-Label.

Erschienen auf www.musikreviews.de am 28.05.2022

Tracklist

  1. Minningar
  2. Úr
  3. Undirheimum

Besetzung

  • Gesang

    Dísa Draugurinn

  • Gitarre

    Dísa Draugurinn

  • Keys

    Dísa Draugurinn

  • Schlagzeug

    Dísa Draugurinn

  • Sonstiges

    Dísa Draugurinn (bull roarer, bones, rocks, rattles, bells, horns, staff)

Sonstiges

  • Label

    Nordvis

  • Spieldauer

    31:25

  • Erscheinungsdatum

    27.05.2022

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