<b>„Duffy wich nie von seinem Weg ab, ließ sich völlig in die Songs der Bands fallen und swingte mehr als alles, was sich in Großbritannien zwischen Jazz und R&B bewegte.“</b> (Pete Brown im 24-seitigen Booklet zu dieser 3-CD-Box)
Gut, gut – hört man den Namen DUFFY POWER, dann darf man davon ausgehen, dass wir es hier mit einem Künstlernamen zu tun haben. Und diese Vermutung erweist sich als richtig, auch wenn dieser Künstlername des 1941 als Ray Howard in London geborenen und 2014 nach einigen Höhen, aber auch ganz vielen Tiefen – besonders mentaler Art – verstorbenen britischen Blues-, Soul- und Pop-Musiker nicht wirklich die erhoffte Aufmerksamkeit sowie den damit verbundenen Erfolg erhielt. Dass acht Jahre nach seinem Tod das Label Repertoire Records ihn für sich wiederentdeckt und mit mehreren Veröffentlichungen seiner Aufnahmen bzw. Alben aufwartet, hätte Howard garantiert erfreut. Doch dafür ist es zu spät. Nicht zu spät aber ist es für alle nach wie vor neugierigen Musik-Entdecker aus Vergangenheit und Gegenwart, diesen spannenden Menschen und zugleich recht aufregenden Musiker kennenzulernen. Denn DUFFY POWER hat genau das, was er bereits in seinem selbst gewählten Namen zum Ausdruck bringt: unbändige 'Power'!
Ray Howard wurde 17jährig bei einem Musikwettbewerb entdeckt, aber mit seinen ersten Songs als DUFFY POWER – die Coverversionen „Dream Lover“ und „Ain't She Sweet“ – blieb der Erfolg versagt.
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Das sollte auch weiterhin so bleiben, sodass sich Power Anfang der 60er-Jahre sogar mit Gas das Leben zu nehmen versuchte.
Kurze Zeit später entdeckte er aber den Blues für sich und stieg mit GINGER BAKER, JACK BRUCE und JOHN McLAUGHLIN bei der <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2018/The-Graham-Bond-Organization/The-Sound-Of-65-1965-Abbey-Road-Remaster-auf-Vinyl/" target="_blank" rel="nofollow">GRAHAM BOND ORGANIZATION</a> ein. Dann arbeitete er mit ALEXIS KORNER zusammen, bis er 1968 in die nächste Depression verfiel. Dieses ständige Hin und Her sollte bis zu seinem Tod auch leider sein weiteres Leben als Mensch und Musiker bestimmen.
Repertoire Records lässt nun jedenfalls die bisher umfangreichste DUFFY POWER-Zusammenstellung von BBC-Aufnahmen und jeder Menge Raritäten veröffentlichen, die insgesamt drei CD's in einem Jewelcase, das in einem Pappschuber steckt, umfasst. Alle Aufnahmen wurden von EROC gemastert und je nach Voraussetzung und Alter mit dem bestmöglichen Sound versehen, wobei es natürlich unüberhörbare Unterschiede gibt.
Die ersten beiden CD's enthalten die vereinten BBC-Aufnahmen der Jahre 1963 bis 1997. Mal mit fetter Orgel oder Band (GRAHAM BOND QUARTET oder FENTONES oder CWT und ALEXIS KORNER sowie PAUL JONES und DICK HECKSTALL-SMITH), aber sehr oft auch rein akustisch auf Gitarre oder Piano und Stimme beschränkt, wobei diese Songs oft nachdenklicher und trauriger ausfallen und sogar vom Titel darauf hinweisen, wie in „Every Day Since You Be Gone“ oder „I Am Lonely“. Songs, die zugleich auch viel über den wechselhaften Gemütszustand des Musikers aussagen.
Stören lassen sollte man sich allerdings nicht von der schwankende Sound-Qualität, die bei den interessanten Aufnahmen den Sammler sicher nicht sonderlich verärgern wird, denn oft ist es besser, eben einen raren Titel des Musikers in nicht ganz so überzeugender Klangqualität zu hören anstatt dass er einem ganz vorenthalten wird.
Auf der zweiten, fast 80 Minuten langen CD, gibt’s neben der Musik auch ein paar Interviews zu hören, die sicher für viele sehr sinnvoll sind, da hier DUFFY POWER über sich und seine Musik erzählt. Und weil Power trotz seiner wahrlich langen Musik-Karriere nicht sonderlichen Weltruhm erlangt hat und es nur wenig über ihn zu erfahren gibt, sind diese Infos aus erster Hand sehr hilfreich.
Beim nächsten Hören kann man diese ja einfach skippen und sich nur auf die Musik konzentrieren.
Highlight der zweiten CD sind die vier Songs der 'Paul Jones Rhythm & Blues Show, Radio 2, 17 July 1997', bei der druckvolle Blues-Soul-Nummern samt Saxophon, übrigens gespielt von dem COLOSSEUM-Saxophonisten DICK HECKSTALL-SMITH, dargeboten werden, die einen sofort mitnehmen und mit dem gigantischen Song „Mama, Talk To Your Daughter“ beginnen. Auch der Klang der Aufnahmen ist ausgezeichnet, was man nicht von allen Stücken (wie z.B. den folgenden beiden Aufnahmen aus dem Jahr 1963), die akribisch zusammengetragen wurden, behaupten kann, auch wenn aus ihnen mit einem entsprechenden (Re-)Mastering durch EROC das Bestmögliche herausgeholt wurde.
Die dritte und zugleich letzte CD ist dann das 'Raritäten-Überraschungsei' der Box. Hier finden sich ausschließlich über knapp 50 Minuten hinweg unveröffentlichte Studio-Aufnahmen seit den 90ern in richtig guter Klangqualität. So lernen wir DUFFY POWER als einen Musiker kennen, der sich zwischen Blues und Singer/Songwriter mit ein paar Pop-Elementen bewegt.
Und dass der letzte Song auch noch 'Ich kann den Teufel nicht verjagen' heißt, ist zugleich Ausdruck des problematischen Lebens eines Ray Howard, der als DUFFY POWER sein Glück auf der Bühne und im Studio suchte und dabei zwar mit den ganz 'Großen' zusammenspielte, aber nie wirklich zu einem von ihnen wurde, so beeindruckend auch die Aufnahmen waren, welche wir hier auf „Live At The BBC plus other innovations“ zu Gehör bekommen.
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FAZIT: „Live At The BBC plus other innovations“ bringt uns über Repertoire Records einen ungewöhnlichen und zugleich nie wirklich erfolgreichen Musiker näher, der seit 1961 seinen Erfolg in den Musik-Studios und auf der Bühne suchte: DUFFY POWER. Diese 3-CD-Edition mit dickem 24-seitigen Booklet zu allen Hintergründen des 1941 als Ray Howard in London geborenen Musikers ist die erste dermaßen umfangreiche Retrospektive, welche zudem die umfassendste verfügbare Zusammenstellung seiner BBC-Aufnahmen und rarer, bisher unveröffentlichter Studio-Aufnahmen enthält. Und ob Power, wie von Pete Brown im Booklet behauptet, wirklich 'mehr swingte als alles, was England im Rahmen des Jazz und R'n'B zu bieten hatte', darf nunmehr jeder für sich selbst entscheiden. Doch egal, wie man zu DUFFY POWER stehen mag, auf dieser Dreifach-CD gibt’s jede Menge 'echte' Musiklegenden zu hören, die Power begleiteten, wie beispielsweise John McLaughlin, Alexis Korner, Graham Bond, John McLaughlin, Jack Bruce, Ginger Baker und viele mehr.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.11.2022
Duffy Power
Duffy Power
Duffy Power
Repertoire Records
182:37
29.07.2022