Nachdem „Mother Universe“ jetzt viele Male gehört, begutachtet und analysiert wurde, bleibt immer noch die Feststellung: Puh, das ist schon viel auf einmal. Gleichzeitig aber auch: Juhu, das ist so viel auf einmal, es gibt viel zu entdecken.
Schon die Strukturierung des Albums ist interessant: Jeder Song bekommt eine akustische Version eines bestimmten Himmelskörpers als Intro vorangestellt. Vom Mittelpunkt unseres Universums ausgehend, vollziehen MOLLLUST eine Reise zu den äußersten Weiten des Alls und finden sich schließlich auf „Pluto“ wieder.
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Vieles an der Inszenierung erinnert an ein Theaterstück.
Die Dramatik bewegt sich in Wellen. Auch die Gesänge von Janika Groß und ihrem männlichen Gegenpart Frank Schumacher sind vielfach in Dialogform aufgebaut, wobei der weibliche Gesang meist in opernhafter Theatralik erklingt, wohingegen die Männerstimme vielfach eher als Unterstützung oder ausgleichender Gegenpart fungiert.
Zwischendurch wird die Dramatik auch immer mal zurückgefahren (u.a. in „Venus – Poems of Love“), was einerseits den Spannungsbogen füttert und andererseits einer Überladung des Sounds entgegenwirkt.
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Der Clou an diesem Album ist aber, dass es MOLLLUST wirklich gelingt, die Geschichte, welche sie erzählen wollen, mit Leben zu füllen. Auch wenn es einige Zeit dauern kann, bis „Mother Universe“ in seiner Gesamtheit vom Ohr ins Hirn und dann ins Herz sickert.
Die Qualitäten der Planeten werden in jeder Nummer passend vertont, wie es etwa das opulente „Mars – The Game is Over“ oder auch das vielfältig auf- und abbrandende „Neptune – Wrath Of The Sea“ beweisen. Die „Cosmic Overture“ und der „Cosmic Epilogue“ schaffen außerdem eine stimmige Klammer für die orchestral-metallische Achterbahnfahrt, die „Mother Universe“ geworden ist.
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FAZIT: MOLLLUST wollen auf „Mother Universe“ erst einmal erfasst werden. Das Album benötigt eine ganz ordentliche Einarbeitungszeit, in welcher der Hörer aber allerlei vielfältige Details entdecken kann, oder sich die unterschiedlichen Stimmungen, die in der Musik verborgen liegen, aufdröseln kann/darf. Ist dieser Einstieg gelungen, dann lässt sich „Mother Universe“ als vielfältiges und dramatisches Stück Musik für Freunde detailreichen Opern-Metals genießen.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 14.12.2022
Simon Johanning, Frank Schumacher
Janika Groß, Frank Schumacher
Frank Schumacher, Julian Jönck
Janika Groß
Andrea Zannin
Lisa Hellmich (Violine), Manuel Toc, Anne Eberlein (Violinen), Alejandro Barria (Cello), Imki Niemeier (Kontrabass), Carmen Alcantara Fernandez (Harfe)
Eigenproduktion
74:44
25.11.2022