Alarmstufe Kult! Nachdem andere im Angesicht der Altvorderen Ashbury und Legend aus den US, wegen Manilla Road oder auch The Lord Weird Slough Feg die Genre-Schublade "Kauz-Metal" zusammengezimmert haben, sind THE GATES dermaßen verschroben, dass sie diesen klapprigen Kasten mit Leichtgkeit sprengen, doch "…Of Pandemnonium" ist hörbar unironisch… Das dafür verantwortliche Duo meint es mit seiner eigenwilligen Mischung todernst und nimmt unabhängig von seiem ungewöhnlichen Sound allein schon deshalb für sich ein, weil es ausgesprochen gut durchdachte Songs schreibt.
Schräge Synthesizer-Klänge zwischen Videospiel-Midi und Effektkatalog für schlechte Horror-Hörspiele sind ein tragendes Element der im Hardrock respektive Proto-Metal basierten Musik von THE GATES. Sänger Galiga changiert stetig zwischen heiserem Death- bis Black-Geröchel (erinnert ein bisschen an Denial of God) und heldenhaftem Tenor für die Epic-Fraktion. Die Melodien vermitteln unterdessen eine ähnlich wehmütige Stimmung wie einige britische Klassiker aus dem Underground der frühen 1980er - allen voran Pagan Altar und Witchfinder General.
Vergleiche mit Year of the Goat oder The Devil´s Blood werden zwar vom Label angeführt, entbehren aber so gut wie jeglicher Grundlage, weil THE GOAT viel kruder riffen und ziemlich wenig mit elegant zweistimmig arrangierten Gitarrenlinien oder in irgendeiner Weise progressiven Liedstrukturen am Zauberhut haben. "…Of Pandemonium" hat dennoch viel für sich, selbst wenn der Überraschungseffekt seiner sonderbaren stilistischen Mixtur nachlässt.
´The Wizard´ entpuppt sich als kleiner Ohrwurm, der ungefähr wie ein zu langsam abgespieltes Demo der Pop-Rock-Stars Ghost klingt, und auch das halb auf einem Zombie-Jahrmarkt orgelnde ´Dark Lord´ scheint urtümlichen Doom mit Arena-Rock-Gesten zu verschränken. Weird but wonderful, das!
FAZIT: THE GATES werden entweder auf breiter Ebene ausgelacht oder kultisch verehrt werden. "…Of Pandemonium" zeigt einen talentierten Multi-Instrumentalisten und Komponisten neben einem Gesangs-Zwitter aus den Töpfen Doom, Classic Rock und Grusel-Soundtrack schöpfen, woraus eine noch nicht hundertprozentig ausgehärtete Metall-Legierung entsteht, die man zwar nicht liebgewinnen, aber zumindest mal gehört haben muss. <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/c58831bfc2a84f1793352f54d186fde8" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 12.05.2022
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