Einer der Songs auf dem Debütalbum der belgischen Shoegaze-/Dreampop-Band THE HAUNTED YOUTH heißt tatsächlich „I Feel Like Shit And I Wanna Die“. Damit macht JOACHIM LIEBENS – der manische Mastermind des Projektes - deutlich, wes Geistes Kind er ist.
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Dabei ist LIEBENS aber kein Nihilist.
Seine Maxime ist es nämlich, sich mit seinen Dämonen in seiner Kunst auseinanderzusetzen, anstatt sich ihnen im richtigen Leben zu ergeben. Er bezeichnet das als „eine Art Therapie“ und einen Weg, um „mit seiner Existenz umzugehen“.
Dass er sich dafür musikalisch an Genres orientiert, die dieser Geisteshaltung Vorschub leisten, ist nicht weiter verwunderlich. Mit einem Mix aus Shoegaze, Doom- und Dream-Pop, Depri-Rock und New Wave-Sounds zollt er mehr oder minder deutlich seinen Idolen Tribut – und dazu gehören Acts wie SLOWDIVE, THE CURE, MY BLOODY VALENTINE und Ansatzweise JOY DIVISION.
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Das ist deswegen alles recht effektiv, weil es LIEBENS gelingt, Inhalt und Form in Songs mit so selbsterklärenden Titeln wie dem Selbstporträt „Teen Rebel“, dem bereits erwähnten „I Feel Like Shit“, dem Track „Shadow“, dessen Leit-Mantra „I need to get away from here“ den ganzen Song trägt oder dem als Low-Fi-Akustik-Ballade in Form eines klassischen Protestsongs ausgestalteten „Fist In My Pocket“ zu einer Art autobiographischem musikalischen Logbuch mit zwar düsterer, am Ende aber auch kämpferischer Note glaubwürdig zusammenzuführen. Und musikalisch überzeugt das Ganze alleine schon deswegen, weil diese Art von Musik zur Zeit gar nicht so angesagt ist und für jüngere Fans somit ganz neue Türen öffnet. Die Hoffnung, dass sich so auch andere mit seinen Themen identifizieren könnten, dürfte also nicht ganz unbegründet sein.
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FAZIT: Wenn hier ständig nur von JOACHIM LIEBENS die Rede ist, dann hängt das damit zusammen, dass der Meister die Debüt-LP von THE HAUNTED YOUTH weitestgehend im Alleingang zusammengeschraubt hat. Freilich: Heutzutage ist THE HAUNTED YOUTH dann aber auch ein echtes Bandprojekt. Schon in den Linernotes des Albums bedankt sich Liebens etwa bei seinen Bandmusikern und auf der Bühne überzeugt das inzwischen zum Quintett aufgestockte Ensemble mit seinen für die gewählte musikalische Stoßrichtung bemerkenswert lebhaft ausgelebten Shows sogar so sehr, dass die Band für den Anchor-Award als bester Live Act nominiert war. Auch wenn THE HAUNTED YOUTH diesen Award nicht einheimsen konnten, zeigt das doch, dass sie mit ihrem Ansatz den Nerv der Zeit getroffen haben – und es erklärt, warum sie in den BeNeLux-Staaten gleich mit den ersten Single-Tracks bereits zu einer festen Größe geworden sind.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 03.11.2022
Joachim Liebens, Stef Castro, Lesley Troquet
Joachim Liebens, Hann Smets
Joachim Liebens
Nick Caers, Niels Meukens
Mayway Records
53:20
04.11.2022