THE SUN OR THE MOON stammen aus dem Rhein-Main-Gebiet und existieren seit 2019. Als es nach der Besetzungsphase, initiiert von Frank Incense und George Nowack, endlich live losgehen sollte, kam der Corona-Lockdown. Doch anstatt vor der Startlinie aufzugeben, beschloss das Quartett zu komponieren und Musik aufzunehmen. Das Ergebnis ist „Cosmic“.
Wie der Titel und gleichnamige Opener suggeriert, wird es kosmisch. „Away, away, we’re leaving today, the weight of the world we want to escape“ - genau das passiert. Mit fluffigen Keyboardschwaden, spaciger Gitarre und abwechslungsreichen Rhythmen wird hinaus ins All gedriftet. „Hooray, hooray, we’re going astray, […] strange places to be, strange things we will see, we leave that world behind.“ Die Weltflucht ist gelungen, aber so seltsam, mysteriös sind die Räumlichkeiten nicht, die THE SUN OR THE MOON, gesanglich mit charmantem german accent, erforschen.
„Cosmic“ ist voller chilliger Trips, die ihre rockige Grundlage nicht vergessen. Die Gitarren dürfen gelegentlich losbrettern, das E-Piano freundliche Tastenanschläge den DOORS widmen, und die früh-psychedelische Phase PINK FLOYDs bleibt ebenfalls nicht ohne Einfluss. Was sich besonders am feinen „Julia Dream“-Cover bemerkbar macht.
„Twisted Kamasutra“ besitzt funkigen Flow, Witz und Geschick, während der (Bonus?)-Abschluss „Quicksand“ gepflegten Art-Pop plus GONG-Affinität bietet und mit einem samtigen Saxophon aufwartet. Das gesamte Album ist klanglich offen und warm. Das Debüt als erfreuliche Dröhnung.
FAZIT: Krautrock ist schon lange keine despektierliche Gattungsbezeichnung mehr, sondern eine lobende Erwähnung. Und das im Zusammenhang mit THE SUN OR THE MOON der Begriff Neo-Kraut fällt, ist so verkehrt nicht. Zumindest zum Teil, denn anglo-amerikanische verwandte Geister sind ebenfalls leicht auszumachen. Trotz des steinigen Starts in pandemischen Zeiten, präsentieren THE SUN OR THE MOON mit „Cosmic“ einen stilvollen Ausflug durch Raum und Zeit. Eine halluzinogene kleine Klangperle.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 25.04.2022
Frank Incense
Frank Incense
George Nowak, Theremin, Frank Incense, Markus Weber
Susanne Baum, Frank Incense
Niclas Ciriacy
Frank Incense (Electric Sitar), George Nowak (Theremin), Leon Binder (Saxophone)
Tonzonen Records/Soulfood
70:03
17.09.2021