Spätestens mit "Lepaca Kliffoth" waren THERION 1995 über praktisch all ihre Zeitgenossen aus dem extrem Metal-Spektrum erhaben. Das vierte Album der Schweden weist erstmals eine ihrem facettenreichen, teils sinfonischen Death Metal im weitesten Sinn angemessene Produktion auf, während Bandkopf Christofer Johnsson seine kompositorischen Qualitäten so weit geschärft hat, dass er sich keine stilistisch unpassenden Ausreißer durchgehen lässt und andererseits eingängigere Songs denn je zustande gebracht hat.
Der stampfende Opener ´The Wings of the Hydra´ mit seinen fortan wiederholt im Schaffen von Christofer Johnsson auftauchenden Melodien orientalischer Anmutung geht vom Start weg ins Ohr, ehe THERION in ´Melez´ bei beibehaltener Stimmung mit einem tänzerischen Rhythmus überraschen. Die Arrangements werden immer bombastischer, doch das Fundament ist vermutlich zum letzten Mal in der Bandgeschichte rein todesmetallischer Natur.
Die verhältnismäßig kommerzielle "Ballade ´The Beauty in Black´ avancierte mit gemischtgeschlechtlichem Operngesang zu einem kleinen Szene-Hit, der Synthesizer wird wiederholt zu einem tragenden Element (´Black´), Christofers Stimme erweist hingegen zusehends als Achillesferse (das Sprech-Gesinge im Celtic-Frost-Cover ´Sorrows of the Moon´ ist echt schwach), weshalb er den klaren Gesang fortan auch an andere abtreten wird.
Das treibende ´Riders of Theli´ wird für kurze Zeit ein Live-Standard, während das kriechende Titelstück spätere Prog-Tendenzen ankündigt. Die beiden Bonustracks - unbedingt hörenswert - sind mit der 1996 bei Nuclear Blast erschienenen Digipak-CD identisch.
FAZIT: Im Gesamtwerk von THERION ist "Lepaca Kliffoth" neben seinem Nachfolger "Theli" der für die gesamte Metal-Szene verbindliche Klassiker. Die Band schafft 1995 eine zwanglos experimentelle Gratwanderung zwischen Gothic Rock und Klassik auf der einen sowie Death und traditionellem Heavy Metal auf der anderen Seite, verpackt in zwingende Songs, die auch wegen ihres sehr eigenwilligen Sounds bis heute nichts von ihrem anfänglichen Zauber verloren haben. <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/15a986fd48464af5b0f213a2fb099cfd" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.04.2022
Fredrik Isaksson, Christofer Johnsson
Christofer Johnsson
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Hammerheart
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08.04.2022