THRESHOLD gehören zur schmackhaftesten Prog-Metal-Hausmannskost, die man sich gönnen kann. Auch genre-übergreifend dürfte es kaum eine andere Band mit Sänger-Problemen geben, die so konstant starke und stilistisch beständige Platten heraushaut wie die Briten, an deren Mikrofon nun hoffentlich Ruhe eingekehrt ist, das Glynn Morgan zum zweiten Mal in Folge den Frontmann gibt und eine brillante Figur abgibt (und zu einer neuerlichen Beschäftigung mit seinem Band-Debüt "Psychedelicatessen" von 1994 nötigt).
"Dividing Lines" ist anders als der Vorgänger "Legends Of The Shires" (2017) kein ausladendes Konzept-Doppelalbum, folgt aber einem inhaltlichen roten Faden, der an brandaktuellen gesellschaftlichen und politischen Fragen wie Wahrheitsverdrehung, Kommunikation und Identitätsstiftung entlang führt.
Musikalisch drückt sich der Themenkreis in düsterer und teilweise wieder knackig harter Musik aus, mit der THRESHOLD allerdings nichts von ihrem melodischen Tiefgang aufgeben, geschweige denn ein trostloses Bild der Welt in den Zwanzigern des 21. Jahrhunderts zeichnen. Morgan singt einige Refrains so hingebungsvoll, als würde sein Leben davon abhängen, die Hoffnung nicht zu verlieren… und vielleicht tut es das auch, unser aller Leben.
Um aber am Boden zu bleiben: Die Gabe der Band, Texte und musikalische Wendungen zu verschränken, die Sachverhalte auf poetische Weise auf den Punkt bringen und die Sogkraft einer AOR-Hymne aus den goldenen Achtzigern erzeugen, ist eine seltene und auf "Dividing Lines" besonders augenfällig.
Dabei halten THRESHOLD ein nahezu vollkommenes Gleichgewicht aus direkt ins Ohr gehenden und verhältnismäßig kompakten Tracks wie ´Haunted´, ´Silenced´ oder ´Lost Along The Way´ sowie wendungsreichen tücken der Kategorie ´The Domino Effect´.
FAZIT: THRESHOLD-Alben sind keine innovativen Wundertüten mehr, sondern mit untrüglicher Sicherheit aussagekräftig geschriebener, immer noch mit Begeisterung eingespielter und dabei glasklar produzierter Prog-Metal vom Feinsten. Ihre zwölfte Langrille "Dividing Lines" erinnert von seiner Stimmung her an "Subsurface" (2004) und enthält eine Menge Stoff für eine potenzielle Best-of der englischen Ausnahmeband. <img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/eb8ff5c9312648d99068167b4d630f85" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 10.11.2022
Steve Anderson
Glynn Morgan
Karl Groom
Richard West
Johanne James
Nuclear Blast / Believe
64:52
11.11.2022