„Parable“ ist eine gepflegte Jazz-Soiree, die das Quartett um den Lüdenscheider Pianisten Tobias traumwandlerisch und elegant realisiert. Die vier Musiker sind exzellent aufeinander eingestimmt, harmonieren gemeinnützig im Verbund und wissen einzeln zu überzeugen, ohne dass sich jemand ums eigene Ego kreisend in den Vordergrund spielt.
Weindorf vermeidet brachiale Texturen, seine Anschläge sind samten und werden adäquat unterstützt vom warmen Saxophonspiel seiner Frau Kristina Brodersen. Peter Weiss streichelt sein Schlagzeug, bewahrt aber genügend Druck, um nicht im Kippendunst einer loungigen Kellerbar zu enden. Christian Ramonds filigraner Bass ergänzt das Zusammenspiel kongenial.
Die Musik auf „Parable“ reicht von straightem, aber geschmeidigem Jazz („Being Home“) zu verspielten Tagträumereien, in denen sich Weindorf gerne etwas Freiraum nimmt („Finn“). Überraschend und faszinierend sind die drei Tracks mit LAGWAGON Sänger Joey Cape am Mikrophon. Der Zusammenschluss von Punksänger und Jazz-Quartett führt aber nicht zu Punk-Jazz, sondern zu beseeltem Art-Pop, der von Ferne an den gemütvollen Jazz-Rock der niederländischen Band SOLUTION erinnert. Bevor diese die Disco für sich entdeckten. Weiß zu gefallen und gibt „Parable“ ganz eigene Farbtupferh.
FAZIT: „Parable“ sind ein Dutzend stimmiger musikalischer Erzählungen, die abgeklärt, aber feinnervig die Gefilde zwischen Jazz und artifiziellem Pop ausloten. Selbst, wenn es rustikal zugeht („New Shoes“) behält das Quartett Anmut und Übersicht. Besonders Lob für die Bonustracks mit Sänger Joey Cape, die mit Leichtigkeit Punk und Jazz zu einem ausgeklügelten Pop-Derivat umformulieren.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 02.05.2022
Christian Ramond
Joey Cape
Tobias Weindorf
Peter Weiss
Kristina Brodersen (alto sax)
Jazzsick Records/Membran
53:00
08.10.2021