'Rockmusik' ist eine sehr weit gesteckte Stilbezeichnung, die aber zugleich sehr eindeutig ist. Unter diesem Banner lassen sich Genres wie Post-Punk und Indie vorzüglich vermischen und dass so ein Gebräu (unter Hinzunahme diverser anderer Genre-Anteile) ein äußerst wohlklingendes Werk ergeben kann, beweisen TOM ALLAN & THE STRANGEST mit ihrem aktuellen Werk „TAATS“.
Die Inspiration für diese Musik könnte von der klassischen Punk-Ursuppe aus 'good, old England' bis hin zu einer Band wie OASIS reichen. Und trotzdem klingt die Musik eigenständig. Zwischen zerbrechlicher Emotionalität und erbarmungslosem Gehämmer finden sich hier allerlei Facetten, die tendenziell immer ein bisschen über die Stränge schlagen. Soll heißen: Jede Energie bekommt das entscheidende zusätzliche Quäntchen ihrer Qualität verpasst, das dazu führt, dass Songs wie „Hangman’s Knot“ oder „Obey“ wahlweise zu Tränen rühren oder eben voller potenzieller, aufgestauter Rebellion sind.
Maßgeblich für dieses emotionale Spannungsfeld mitverantwortlich sind auch die diversen Instrumente, die auf den ersten Blick eher im Hintergrund arbeiten. Seien es nun die Streicher, die einer Nummer wie „Soviet Time“ eine fast schmerzliche Note aufdrücken, oder das Piano in „17 Days“, das bei aller vordergründigen Energie für einen fast andächtigen Gegenpol im Hintergrund des Songs sorgt.
Natürlich darf dabei auch der Gesang nicht vergessen werden, denn der schafft es immer wieder, die Emotionen der Musik fast bis ins Übertriebene auszureizen, ohne dabei überzogen oder ironisch zu wirken. Vielmehr klingt diese Stimme über sämtliche Songs hinweg zutiefst ehrlich, eindringlich und dadurch glaubhaft.
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FAZIT: „TAATS“ birgt enormes Wachstumspotenzial. Trotz bereits positivem Ersteindruck entwickeln die Songs ihr volles Potenzial, ihre volle textliche und emotionale Tiefe erst mit der Zeit. Welchem Genre TOM ALLAN & THE STRANGEST letztendlich zugehörig sind, ist daher egal, denn diese Musik birgt ein nahezu unerschöpfliches Spannungsfeld an Emotionen. Das darüber hinaus zu keiner Zeit Langeweile beim Hören aufkommt, egal ob die Musik im Hintergrund läuft oder ob ihr konzentriert zugehört wird, ist eine weitere beachtliche Leistung.
Punkte: 14/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 12.09.2022
Thomas Allan
Thomas Allan, Evan Beltran
Thomas Allan, Evan Beltran
Thomas Allan, Evan Beltran
Nico Stallmann
Nico Stallmann (Percussion, Hintergrundgesang, Synthesizer), Nathan Bontrager (Cello), Joon Laukamp (Violine)
Glitterhouse Records
42:38
26.08.2022