Das dritte und vierte Album der bis auf Sänger Patrick Wunsch komplett umbesetzten TRÄUMEN VON AURORA jonglieren Schlaumeier-Prog mit naiven Melodien aus der Shoegaze-Ecke, holen zwischendurch den „schwarzen“ Knüppel aus dem Sack und werden einem hohen dichterischen Anspruch gerecht, ohne im Emo-Pathos-Morast auszurutschen.
Auf diesem Plattendoppelschlag verheben sich die Musiker nicht einmal an 15-minütigen Kompositionen, sondern bauen alles sehr logisch aufeinander auf und behalten beim Arrangieren souverän die Übersicht. So kommt es, dass die jeweils rein instrumentalen achteinhalb und fast 15 Minuten von ´nicht alle dunkelheit der welt…´ respektive ´… kann eines lichtes flackern trüben´ eine selbst Progressive-Rock-Fans gefallende Klammer um durchweg aufregende Musik bilden, deren Kategorisierung bei aller Vertrautheit der Elemente schwerfällt.
Die Bandbreite ist nämlich enorm: ´stille mehr stille´ reicht von Dornenreich- Geflüster und Gefauch zu einem monoton dramatischen Piano-Arpeggio über Rock-Grooves ins sinfonische Blastbeat-Nirwana, wobei später auch und gerade ´essenz der wildnis´ orchestralen Bombast aufträgt, ohne an Kitsch-Klippen zu zerschellen. Entrückten Post Rock mit kauzigen Synthesizern und ergreifendem melodischem Gesang gibt´s in ´luna I´ zu höre, und ´sturmgeweiht´ strahlt genauso wie ´aurora I´ etwas von der Naivität der japanischen Ausnahmeband Mono aus.
Black Metal pur ist abgesehen von der regelmäßigen Raserei höchstens noch das gallige Knurren in Tracks wie ´luna II´, und das am leichtesten zugängliche Stück dürfte das innerhalb von vier Minuten um mehrere griffige Motive kreisende ´gram und verve´ sein. Anspieltipp unsererseits: ´aurora II´ als epischer Post Black Metal reinsten Wassers.
FAZIT: TRÄUMEN VON AURORA stehen in neuer Besetzung, die aus Mitgliedern von Kratr, Liquid Resistance und Beyond Martian Skies besteht, am vorläufigen Zenit ihres Schaffens. „luna & aurora“ klingt heavy, wagemutig und sehr erwachsen. Da der Doppeldecker trotz anderthalbstündiger Spielzeit und orchestraler Arrangements im Detail übersichtlich und kompakt wirkt, könnte die Band damit prinzipiell sowohl Post-Blackies als auch Prog-Heads zu Fans machen. <img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/f8a5f270e1a74790bcc2b14d02aa1f1e" width="1" height="1" alt="">
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 15.08.2022
Alexander Häger
Alexander Häger, Patrick Wunsch
Marek Peperkorn
Matthias Schäfers
Alexander Häger
Trollzorn / Alive
91:35
19.08.2022