Ja, der Begriff „Grunge“ spukt doch sehr schnell durch den Kopf, wenn „Lavish Material“ das erste Mal läuft. Das liegt natürlich an der klanglichen Nähe zu Bands wie NIRVANA, aus der TWIN DIVE aber eine etwas andere Mixtur herausziehen. Denn was bei den großen Namen der Szene oft Fatalismus war, reichern diese Herren hier mit einer eigenen Duftnote aus Wave (die Ästhetik) und Punk an.
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So schroff die Musik im ersten Moment scheint, so zerbrechlich wirken Stücke wie „Animal“ auf den zweiten Blick.
Es klingt, als ob Frontmann Robert Jancevic sich in einen zähen Strudel der inneren Zerrissenheit stürzt, nicht ohne das Ganze auch ein Stück weit zu genießen.
Diese leicht masochistische Ader kehrt auf die eine oder andere Weise immer wieder zurück. Da spielt natürlich auch der rohe LoFi-Sound der Musik eine Rolle.
Besonders in den beiden Rausschmeißern „Joy Will Follow“ und „Say His Name“ wird geschrammelt, was das Zeug hält.
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Das wird dann auch mal anstrengend. Aber das ist auch Punk. Genauso wie es irgendwie Punk ist, im letzten Song den Zustand der amerikanischen Gesellschaft am Beispiel von George Floyd zu kritisieren. Es wirkt aber auch sehr plakativ, Punk eben.
Andere Stücke, wie z.B. das eröffnende „Biblical“, vereinen diese Schroffheit mit einer luftigen, fast lockeren Note, die eine gewisse „Scheiß drauf“-Einstellung vermittelt, was ja wiederum bestens zum gewählten Genre passt.
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FAZIT: Hinter dem ruppigen Ersteindruck von „Lavish Material“ verbirgt sich ein durchaus aufwühlendes Werk, das vor allem von der emotionalen Zerrissenheit der Künstler hinter TWIN DIVE bestimmt ist. Gleichzeitig könnte dieses Album durch seine Stimmung, aber auch dank der textlichen Themen, ein Spiegelbild der aktuellen Zustände unserer Gesellschaft sein. Wer genauer in den Spiegel hineinsieht, findet auf alle Fälle nicht nur freundliche Grinser.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 03.11.2022
Robert Jancevic
Robert Jancevic
Ragnar (Raggi) Gudmundsson
Believe
50:46
09.09.2022