Irgendwo zwischen halluzinogenem Trip, seelischer Entspannung und akustischem Krach setzen sich TWIN DRUGS auf „In Now Less Than Ever“ in die musikalischen Nesseln.
Dieses Bild ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn wie die Brennnessel hat auch diese Musik eine nutzbringende Seite, die in mancher Hinsicht wohltuend wirken kann, gleichzeitig findet sich aber auch gehöriges Potenzial für Schmerz oder in diesem Fall wenigsten akustischer Anstrengung auf dem Album.
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Als Gesamtpaket betrachtet ist „In Now Less Than Ever“ ein nervenaufreibender Strudel aus experimenteller Elektronik, verschrobenem Shoegaze und dröhnenden Riffs. Allerdings wirkt der Charakter dieses Albums zu einem großen Teil sehr introspektiv und grüblerisch.
Das liegt aber viel weniger an den Texten als an der Musik.
Songs wie „World Fell Off“ oder auch „Rule 110“ wirken wie hypnotische Strudel, in denen sich repetitive Sounds mit elfenhaften Gesängen paaren und dadurch eine Stimmung erschaffen, die einer Gratwanderung gleicht.
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Einerseits sehr luftig, beinahe angenehm wabern die Synthies im Hintergrund, während sehr weit vorne verspuhlte Elektronik durch die Ohren saust.
Durch diese vertonte Gegensätzlichkeit bekommt das gesamte Album einen fast unangenehmen Unterton, der wirkt, als würde jemand beständig an einer fast verheilten Wunde kratzen.
Ein bisschen ist diese Musik also vertonte Zwanghaftigkeit.
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FAZIT: Irgendwo zwischen Beklemmung und dem Willen, aus der funktionellen Norm auszubrechen, vertonen TWIN DRUGS hier einen Weg ins Ungewisse. Da passt das irgendwie paradox wirkende Coverartwork von „In Now Less Than Ever“ sehr gut zum gebotenen Sound, der niemals offensichtlich einfach ist, aber gerade dadurch stets interessant bleibt.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 08.10.2022
Christian Monroe
Blake Mel‘ton
Blake Mel‘ton
Alexander Wilson
Christian Monroe (Percussion), Mairin Monroe, Ali Mislowsky (zusätzliche Gesänge)
Crazysane Records
45:28
07.10.2022